Was ihr schon immer über Rosalie & Co. wissen wolltet (und auch zu fragen wagtet)

Aus Anlass des vierten Geburtstags von Rosalie & Co. im Oktober 2014 habe ich zehn Fragen über diesen Blog und seine Inhalte beantwortet, die so oder ähnlich in den vergangenen Jahren immer mal wieder aufgekommen sind.

Hier sind die Fragen – zu den Antworten gelangt ihr, indem ihr draufklickt.


Rosalie & Co. gibt es jetzt seit vier Jahren. Wie kam es zu der Idee für den Blog?

Am Anfang sollte Rosalie & Co. vor allem eine Infoseite sein. Durch meine Erfahrungen mit anderen Blogs und Webseiten, unter anderem eurOut, wusste ich, dass es viele Leserinnen gibt, die gezielt nach Informationen über lesbische Figuren und Liebesgeschichten zwischen Frauen in Filmen und Serien suchen. Die sind allerdings häufig auf Englisch, womit manche Leserinnen Probleme haben. Deshalb gibt es einen Bedarf an Informationen auf Deutsch.

Natürlich gab und gibt es hierfür auch bereits andere Seiten. Insbesondere bei cootv findet man schon lange sehr viele Infos über Filme und Serien mit lesbischen Figuren, auf die ich auch selbst immer wieder gern zurückgreife. Ich wollte dem Ganzen aber gern meinen eigenen „Touch“ geben. Und ich hatte einfach Lust, über Serien und Filme zu schreiben, von denen ich mir die meisten sowieso angesehen habe.

Daneben sollte der Blog auch als Informationsquelle für Leserinnen aus dem Ausland dienen, die sich für lesbische Figuren und Liebesgeschichten in deutschen Filmen und vor allem Serien interessieren. Dass es davon sehr viele gibt, ist in den vergangenen Jahren immer deutlicher geworden.

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Zu Beginn gehörte zum Blog auch ein Diskussionsforum. Was ist daraus geworden?

Das Forum war für mich am Anfang tatsächlich ein sehr wichtiger Teil von Rosalie & Co., fast so wichtig wie der Blog. Ein Blog ist ja meistens eine sehr einseitige Angelegenheit, weil nur eine schreibt. Ich hatte aber Lust, mich auch über die Inhalte des Blogs auszutauschen und die Meinungen anderer zu erfahren.

Leider musste ich mich schon nach wenigen Monaten von dieser Idee verabschieden. Zum einen gab es durch enorm hohe Zugriffszahlen während des Jemma-Hypes Kapazitätsprobleme mit dem von mir gemieteten Webspace. Was genau passiert ist, könnt ihr hier nachlesen. Zum anderen wird die Moderation eines Forums mit steigender Mitgliederzahl immer aufwendiger. Das konnte ich auch zeitlich irgendwann nicht mehr leisten.

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Was hat sich in den letzten vier Jahren sonst noch verändert?

Einiges. Am offensichtlichsten ist sicherlich die Veränderung des Layouts, das ich im Laufe der Zeit immer mal wieder angepasst habe. Wichtig ist mir dabei, dass alles so übersichtlich wie möglich ist, damit gerade auch neue Besucherinnen schnell das finden, wonach sie suchen.

Außerdem gab es auch inhaltliche Änderungen. Insbesondere hat sich der Schwerpunkt etwas verlagert. Statt nur darüber zu informieren, welche Figuren und Geschichten es in welcher Serie bzw. welchem Film gibt, geht es mir inzwischen auch darum herauszuarbeiten, wie die Figuren gestaltet sind und wie die Geschichten erzählt werden, insbesondere ob mit Klischees und Stereotypen gearbeitet wird.

Meine Beiträge sind dabei natürlich weiterhin insbesondere für diejenigen gedacht, die Serien und Filme gucken. Inzwischen sehe ich aber auch die Verantwortlichen für eine Serie oder ein bestimmtes Fernsehprogramm als meine Zielgruppe. Wenn ich darüber schreibe, was ich gut finde und warum bzw. was ich kritisch finde, hoffe ich daher auch, dass dies vielleicht bei den entsprechenden Stellen ankommt.

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Was waren die Highlights der letzten vier Jahre? Und gab es auch frustrierende Momente?

Eines der absoluten Highlights war ganz klar die Jemma-Geschichte bei Hand aufs Herz. Das war eine unheimlich spannende Zeit. Nicht nur, dass die Geschichte toll geschrieben und gespielt war, auch das Drumherum war großartig, wie der Kontakt mit den anderen Fans und insbesondere die Möglichkeit, das Set zu besuchen und sich mit den Verantwortlichen über die Storyline auszutauschen. Daneben ist es jedes Mal ein kleines Highlight, wenn ich merke, dass Beiträge gut ankommen, wenn ich Kommentare oder Mails bekomme und dieser Austausch, den ich mir wünsche, auch ohne das Forum zustande kommt.

Frustrierend ist das Bloggen für mich eigentlich immer dann, wenn ich es nicht schaffe, meinen Eindruck von einer Serie, einem Film etc. in die – nach meinem Gefühl – richtigen Worte zu fassen. Daran arbeite ich noch. Enttäuscht hat mich in den letzten Jahren zudem die Entwicklung bei den deutschen Serienproduktionen. Auf die wird ja allgemein viel geschimpft, dass sie zu langweilig und eintönig sind und ich finde das merkt man gerade auch beim Thema Vielfalt. Lesbische Figuren oder gar Liebesgeschichten zwischen Frauen sind Mangelware, wenn man mal von Daily Soaps absieht. Dabei hat es zum Beispiel bei Mord mit Aussicht und Notruf Hafenkante meines Erachtens das Potenzial für sehr schöne Geschichten gegeben, die auch bei den Zuschauerinnen und Zuschauern gut angekommen sind. Bei Notruf Hafenkante konnte man zum Beispiel auf der offiziellen Facebookseite sehr viele positive Reaktionen auf die Helen & Melanie-Geschichte lesen, und bei Mord mit Aussicht zeigt sich derzeit unter anderem an den Reaktionen auf Twitter, dass viele Fans Bärbel als lesbisch angesehen und akzeptiert hatten und jetzt ziemlich irritiert sind, warum da plötzlich ein Timo aufgetaucht ist. Das macht die Entscheidung der Verantwortlichen, die Geschichten nicht weiterzuerzählen, noch unverständlicher und frustrierender.

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Warum findest du es wichtig, dass es in Serien und Filmen homosexuelle und insbesondere auch lesbische Figuren gibt?

Die Seite AfterEllen hatte bis vor einigen Jahren die Tagline „Visibility Matters“, was es für mich kurz und knapp auf den Punkt bringt: Sichtbarkeit ist wichtig.

Dabei gibt es für mich verschiedene Ebenen. Zum einen denke ich da an die Zuschauerinnen, die entweder noch in der Findungsphase sind oder sich bereits geoutet haben. Für sie kann es viel bedeuten, sich und ihre Geschichten repräsentiert zu sehen. Zumindest ging es mir so, als ich mich Ende der 1990er geoutet habe. In der Zeit lief zum ersten Mal der Film Die Konkurrentin im ZDF. Zu sehen, wie sich zwei Frauen ineinander verlieben, hat mir geholfen, meine eigenen Gefühle für andere Frauen besser einordnen zu können.

Zum anderen geht es um heterosexuelle Zuschauerinnen und Zuschauer und deren Einstellung zur Homosexualität. Da gibt es leider oft noch sehr viele Vorurteile und auch Berührungsängste. Viele heterosexuelle Mitmenschen lehnen Homosexualität ab, weil sie sie nicht verstehen und deshalb Angst davor haben. Durch eine schwule oder lesbische Liebesgeschichte in ihrer Lieblingsserie kann sich das ändern. So habe ich im Zusammenhang mit der Liebesgeschichte von Jenny und Emma in der Serie Hand aufs Herz von einigen Fans gehört, dass sie ursprünglich Vorurteile gegenüber Homosexuellen hatten bzw. meinten, sich in einer solchen Geschichte nicht wiederfinden zu können. Irgendwann sei es dann aber egal gewesen, dass es hier um zwei Frauen ging, entscheidend sei gewesen, dass die beiden sich offensichtlich liebten und zusammengehörten.

Während Homosexuelle es gewohnt sind, sich auch mit den Protagonisten heterosexueller Liebesgeschichten zu identifizieren und mitzufiebern, weil wir in unserer heteronormativen Gesellschaft entsprechend sozialisiert worden sind, war dies bei Heterosexuellen bisher nicht der Fall. So beschreibt es unter anderem auch der amerikanische Autor Dan Savage: “We can experience catharsis through a straight couple’s story. But straight people didn’t used to be able to do that with gay roles. The gulf was too great. Straight people couldn’t relate to gay people and their experience. … Now I think that is changing.” (Quelle). Durch homosexuelle Liebesgeschichten insbesondere in Serien kann sich die Einstellung zur Homosexualität ändern, weshalb es so wichtig ist, dass sie erzählt werden.

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Die Tagline von Rosalie & Co. lautet „Mehr als nur Klischee“. Was ist damit gemeint?

Viele Menschen haben noch immer Vorurteile gegenüber Homosexuellen. Sie haben bestimmte Klischees im Kopf, wie lesbischen Frauen aussehen und sich geben. In der Serie Notruf Hafenkante wurde das von der lesbischen Helen mal schön auf den Punkt gebracht: „Wie stellen Sie sich denn eine Lesbe vor? Kurze Haare, Latzhose, Werkzeugkoffer unter dem Arm?” In der Aufzählung fehlt eigentlich nur noch „hasst Männer“. Wenn eine Frau dieser Beschreibung nicht entspricht, dann kann sie eigentlich auch nicht lesbisch sein, sondern hat nur noch nicht den richtigen Mann getroffen. Das ist abwertend für lesbische Frauen und ihre Gefühle.

Umso schlimmer ist es, wenn das letztgenannte Klischee bestätigt wird bzw. eine Geschichte so erzählt wird, dass dieser Eindruck entsteht. Das ist gerade in Daily Soaps häufig der Fall. Wenn da eine Beziehung zwischen zwei Frauen endet, dann ist in der Regel ein Mann im Spiel. Das, oder eine der Frauen stirbt. Dass eine Frau dauerhaft nur Frauen lieben darf, hat Seltenheitswert. Um schöner ist es daher, wenn es tatsächlich mal passiert, sowie generell, wenn Serien und Filme es schaffen, ein differenziertes Bild von lesbischen Frauen zu zeigen. Mit der Tagline „Mehr als nur Klischee“ wollte ich zum Ausdruck bringen, dass es ein Ziel des Blogs ist, genau diese Beispiele zu würdigen und auf sie aufmerksam zu machen.

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Warum sind Klischees problematisch? Wissen die Zuschauerinnen und Zuschauer es denn nicht besser?

Diese Frage wurde mir mal von einer Kommilitonin gestellt: „Was ist denn so schlimm an Klischees? Auch für die heterosexuellen Figuren werden doch Klischees verwendet, und es weiß doch schließlich jeder, dass das nicht der Wirklichkeit entspricht.“

Ja und nein. Ja, auch für die heterosexuellen Figuren werden Klischees und Stereotype verwendet, was den meisten Zuschauerinnen und Zuschauern sicherlich bewusst ist. In Bezug auf homosexuelle Figuren bin ich mir da leider nicht so sicher. Schwule und Lesben werden gern als Gruppe begriffen und über einen Kamm geschoren nach dem Motto: „Kennst du einen, kennst du alle“: Alle Schwulen sind feminin, alle Lesben hassen Männer etc. Dass es hier natürlich auch sone und solche gibt, geht dabei leider verloren.

Sicherlich sollte und könnte man darüberstehen, schließlich wissen wir selbst es besser. Das Problem ist nur, dass es eben gerade diese Klischees und Vorurteile sind, die teilweise immer noch als Rechtfertigung herangezogen werden, Schwule und Lesben zu diskriminieren. Solange sich die Vorstellung hält, dass eine homosexuelle Beziehung anders und im Ergebnis weniger wert ist als eine heterosexuelle, lässt es sich besser rechtfertigen, dass sie weniger schützenswert ist und dass Homosexuellen Rechte verwehrt werden, die Heterosexuelle ganz selbstverständlich genießen. Klischees tragen dazu bei, diese Vorstellung zu stützen, da sie meistens vermitteln, dass Homosexuelle “irgendwie anders” und „Menschen zweiter Klasse“ sind und ihre Liebe daher weniger wert ist.

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Guckst du Serien bzw. Filme tatsächlich nur wegen der lesbischen Figuren?

Teils, teils. Da ich nur etwas beurteilen und darüber schreiben kann, wenn ich es gesehen habe, gucke ich auch Sendungen, die mich sonst eigentlich nicht interessieren. So verfolge ich beispielsweise Daily Soaps nur, wenn es darin eine lesbische Figur oder eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen gibt, und auch nur solange, wie ich die Geschichte zumindest einigermaßen erträglich finde. Ich gucke aber auch nicht alles. Was ich mir zum Beispiel gar nicht ansehen kann, lesbische Figur hin oder her, sind die sogenannten Scripted Reality-Formate. Und ja, ich hab’s versucht.

Bei Filmen schaue ich, wie wohl die meisten, tatsächlich häufig gezielt nach lesbischen Inhalten. Auf der anderen Seite sehe ich aber auch viele Filme und Serien unabhängig von lesbischen Figuren. Wenn es die dann auch noch gibt, ist das ein netter Bonus. So habe ich beispielsweise Emergency Room und Grey’s Anatomy schon gesehen, bevor Kerry Weaver bzw. Callie Torres sich in Frauen verliebt haben.

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Wie geht es mit Rosalie & Co. weiter?

Zunächst einmal mit einer Auszeit. Da ich mich in den nächsten Monaten darum kümmern werde, mein Studium abzuschließen, bleibt mir leider wenig Zeit zum Bloggen. Deswegen schicke ich Rosalie & Co. demnächst in einen vorgezogenen mehrmonatigen Winterschlaf. Während dieser Zeit wird der Blog online bleiben, so dass die alten Beiträge nach wie vor gelesen werden können. Ich werde mich auch bemühen, ab und zu etwas auf Facebook zu posten und die Newsbox in der Seitenleiste mit neuen Inhalten zu bestücken. Neue Beiträge wird es aber voraussichtlich nicht geben, ebenso wenig wie einen Adventskalender.

Wo ich mich sicherlich weiter rumtreiben werde ist Twitter. Wer also wissen möchte, wie es mir in den nächsten Monaten so ergeht, der sollte am besten diesem Account folgen: @serientante.

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Wie können Leserinnen und Leser, denen der Blog gefällt, dich unterstützen?

Da gibt es viele Möglichkeiten. Wie weiter oben schon erwähnt freue ich mich immer, wenn auf meine Beiträge reagiert wird, d.h. durch Kommentare oder Mails, aber auch Tweets und Posts bei Facebook. Gerade in der anstehenden Auszeit fände ich es schön, hier und dort weiterhin ab und zu ein paar nette Worte zu lesen.

Da ich bewusst darauf verzichtet habe, im Blog Werbung zu schalten, aber natürlich regelmäßig Kosten anfallen, z.B. für die Domain, den Webspace und den Kaffee, den ich beim Bloggen so trinke, freue ich mich zudem immer über Beiträge für die Kaffeekasse. Das geht über einen Klick auf den Flattr-Button, wenn ihr bei Flattr angemeldet seid, oder durch eine Spende bei PayPal. Einfach mal rechts in die Seitenleiste schauen, da findet ihr die entsprechenden Links.

Ansonsten: Kommt wieder und empfehlt den Blog gern weiter. 🙂

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Hamburg, 20. Oktober 2014