Hannah Free

Sharon Gless (“Cagney & Lacey”) spielt die Titelrolle in diesem Film über eine außergewöhnliche Frau und ihre große Liebe – unbedingt sehenswert.

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(c) PRO-FUN MEDIA

So hatte sich Hannah (Sharon Gless) ihren Lebensabend bestimmt nicht vorgestellt. Sie, die Abenteurerin und Freiheitsliebende, die die ganze Welt bereist hat, muss nun mit einem kleinen Zimmer im Altersheim vorlieb nehmen. Immerhin, einen Ausblick hat es.

Noch schlimmer, geradezu unerträglich ist es jedoch für Hannah, dass sie Rachel nicht sehen kann, die Frau, die sie schon ihr Leben lang liebt und die nach einem Schlaganfall im Koma liegt, nur wenige Zimmer von Hannah entfernt und doch unerreichbar für sie. Rachels Tochter Marge hat einen Besuch Hannahs bei ihrer Mutter untersagt, und weil Hannah nach einem Sturz vom Dach an einen Rollstuhl gefesselt und auf fremde Hilfe angewiesen ist, kann sie sich nicht gegen Marges Entscheidung wehren.

Notgedrungen flüchtet sich Hannah in ihre Erinnerungen und versucht, sich gegenüber wohlmeinenden Pflegerinnen, aufdringlichen Betschwestern und dementen Mitbewohnern ein letztes bißchen Freiheit und Würde zu bewahren. Bis sie eines Tages in der jungen Greta eine unerwartete Verbündete findet.

Der Film, der auf einem Theaterstück der amerikanischen Autorin Claudia Allen beruht, die auch das Drehbuch schrieb, erzählt in Rückblenden die Liebesgeschichte von Hannah und Rachel, die in der Kindheit beginnt und die die beiden Frauen bis ins hohe Alter verbindet. Im Gespräch mit einer imaginären Rachel, die sie sich vorstellt, um ihre Sehnsucht nach der echten Rachel wenigstens notdürftig zu stillen, lässt Hannah ihr Leben Revue passieren, das geprägt war von zwei Dingen: ihrem Fernweh, das sie immer wieder fortzog aus ihrem kleinen Heimatort in Michigan in die große weite Welt, und ihre Liebe zu Rachel, die sie immer wieder zu ihr zurückkehren ließ.

Dabei gehen die Filmemacher nicht chronologisch vor, sondern unterbrechen die in der Gegenwart spielende Handlung immer wieder durch einzelne Szenen, mal nur ein kurzer Augenblick, mal eine längere Sequenz, wie Erinnerungsfetzen, die vor Hannahs innerem Auge aufsteigen: der erste schüchterne Kuss in der Kindheit, die leidenschaftliche Liebe der beiden jungen Frauen, der Austausch von Zärtlichkeiten bis ins hohe Alter.

Liebe, die ein Leben lang hält: Hannah und Rachel als junge Frauen (Kelli Strickland, Ann Hagemann) … (Bild: PRO-FUN MEDIA)

… und im Alter (Sharon Gless, Maureen Gallgher) (Bild: PRO-FUN MEDIA)

Von Hannahs und Rachels Familien, von ihrem Alltag und insbesondere von der Reaktion ihrer Umwelt auf ihre ungewöhnliche Liebe erfährt der Zuschauer wenn überhaupt nur indirekt etwas, und diese Aspekte sind für die Geschichte wahrscheinlich auch gar nicht wichtig. Es geht um diese beiden Frauen, die sich ihr Leben lang geliebt haben und sich selbst genug waren, was die Tragik der Situation, in der sich Hannah befindet, nur noch deutlicher macht. Gerade als Rachel sie am meisten braucht, so wie sie Rachel braucht, können sie nicht zusammen und füreinander da sein.

Dabei ist es Autorin Claudia Allen hoch anzurechnen, dass sie die Ungerechtigkeit der Situation deutlich zum Ausdruck bringt, ohne jedoch Schuldzuweisungen vorzunehmen oder zu sehr in Klischees zu verfallen. Zwar ist es Rachels Tochter Marge, die Hannah davon abhält, Rachel zu sehen, was sie nicht unbedingt zur sympathischsten Figur des Films macht. Marge handelt jedoch nicht aus Bosheit oder Ignoranz, sondern aus Gründen, die sie für richtig hält und an denen Hannah letztlich nicht ganz unschuldig sein dürfte.

Sharon Gless ist brilliant in der Rolle der Hannah Free, von ihr lebt dieser Film. Zum Glück können auch die anderen Darstellerinnen gut mithalten. Insbesondere die Szenen zwischen Hannah, deren Körper zwar alt ist, deren Seele aber jung geblieben zu sein scheint, und der imaginären Rachel (Ann Hagemann), die Hannah ebenfalls immer noch als die junge Frau von früher sieht, sind wunderbar gespielt und machen richtig Spaß, ebenso wie Hannahs Interaktion mit der jungen Greta (Jacqui Jackson), denn beide Frauen schaffen es, sich gegen Hannahs Bissigkeit und ihre scharfe Zunge gut zu behaupten.

Hannah Free ist ein wunderschöner Liebesfilm mit einer (immer noch) anbetungswürdigen Sharon Gless, tollen Dialogen und einer wichtigen Botschaft – unbedingt sehenswert!

Mehr Informationen über den Film gibt es auf der offiziellen Homepage. Der Film ist in Deutschland im Original mit deutschen Untertiteln als Kauf- sowie als Leih-DVD erhältlich und kann u.a. bei Maxdome auch online angesehen werden.

Veröffentlicht: Oktober 2010 / Zuletzt bearbeitet: Dezember 2014