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Filmtipp: “Freeheld”

In “Freeheld” spielen Julianne Moore und Ellen Page ein lesbisches Paar, das für gleiche Rechte kämpft. Neben einer berührenden Liebesgeschichte erzählt der Film von einem wichtigen Moment im Kampf für die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare in den USA. Sehenswert!

In dieser Woche kommt der Film Freeheld – endlich! – in die deutschen Kinos. Die großartige Julianne Moore spielt in dem Drama die Polizistin Laurel, die an Lungenkrebs erkrankt und darum kämpft, ihre Pensionsansprüche auf ihre Lebenspartnerin Stacie, gespielt von der nicht weniger großartigen Ellen Page, übertragen zu dürfen. Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit, dem Kampf von Laurel Hester und Stacie Andree mit dem sogenannten “board of chosen freeholders”, der 2005/2006 in Ocean County, New Jersey ausgetragen wurde. Der Sieg von Hester und Andree über das Gremium gilt als ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare in den USA.

Freeheld erzählt zunächst die Liebesgeschichte von Laurel und Stacie. Die beiden Frauen lernen sich beim gemeinsamen Volleyballspielen kennen. Schon beim ersten Date wird deutlich, dass eine Beziehung mit der fast 20 Jahre älteren Laurel für Stacie mit einigen Opfern verbunden sein wird, und das nicht primär wegen des Altersunterschieds. Laurel ist sehr darauf bedacht, ihr Privatleben geheim zu halten aus Angst, sonst ihre Karriere als Polizistin zu gefährden und stößt Stacie damit ein ums andere Mal vor den Kopf. Dennoch schaffen sie es, sich ein gemeinsames Leben einzurichten, mitsamt Eigenheim und Hund, und lassen ihre Partnerschaft sogar offiziell registrieren.

Ihr Leben gerät aus den Fugen, als bei Laurel Lungenkrebs in fortgeschrittenem Stadium diagnostiziert wird. Damit Stacie, die als Automechanikerin nur wenig verdient, im Fall der Fälle das gemeinsame Haus trotzdem halten kann, beantragt Laurel, dass ihre Pensionsansprüche nach ihrem Tod auf ihre Lebenspartnerin übergehen, wie dies bei verheirateten Paaren üblich ist. Ihr Antrag wird von den “board of chosen freeholders”, dem zuständigen kommunalen Gremium, abgelehnt. Laurel ist jedoch nicht bereit, diese Entscheidung einfach hinzunehmen. Schon bald kämpfen Laurel und Stacie an zwei Fronten: gegen die Krankheit und für Gleichberechtigung. Doch während Laurels Gesundheitszustand sich immer weiter verschlechtert, gibt es auf der anderen Seite Grund zur Hoffnung. Denn Laurel und Stacie erhalten in ihrem Kampf gegen die politischen Entscheidungsträger nach und nach immer mehr Unterstützung.

Als Freeheld im vergangenen Oktober in den USA in die Kinos kam, waren die Kritiken durchwachsen. Zwar wurden die schauspielerischen Leistungen insbesondere der beiden Hauptdarstellerinnen gewürdigt, der Film wurde jedoch unter anderem für seine vorhersehbare Erzählweise und stellenweise nur schwach entwickelten Figuren kritisiert. Tatsächlich ging auch mir insbesondere in der zweiten Hälfte des Films mehr als einmal der Gedanke “typisch Hollywood” durch den Kopf, sowohl in Bezug auf die Dramaturgie als auch die Figuren. Laurels Kollege und Partner Dane, ein heterosexueller Mann, der Laurels Anliegen zunächst nicht versteht, dann jedoch zu einem von Laurels und Stacies wichtigstem Unterstützer wird, wirkt ein bisschen zu stark und heldenhaft, der schwule Aktivist Steven, gespielt von Steve Carell, ein bisschen zu provokativ und exaltiert und die “Freeholder”, die nicht auf Laurels Seite stehen, wirken ein bisschen zu bigott und selbstgefällig.

Dass ich den Film dennoch sehenswert finde, liegt vor allem an Julianne Moore und Ellen Page. Obwohl sie auf den ersten Blick so unterschiedlich sind, überzeugen sie als Liebespaar. Dabei hilft es, dass Laurels und Stacies Liebesgeschichte von Anfang an erzählt und gezeigt wird, wie sich ihre Beziehung entwickelt und wie ihre Gefühle füreinander die anfänglichen Zweifel wegen des Altersunterschieds ebenso überwiegen wie die Konflikte, die dadurch entstehen, dass Laurel nicht bereit ist, ihre Liebe offen zu leben.

Zudem dokumentiert Freeheld einen wichtigen Moment im Kampf um Gleichberechtigung für homosexuelle Paare. Auch wenn es um die Rechtslage in den USA geht, war und ist das Anliegen universal: Gleiche Rechte und Akzeptanz dafür, dass die Liebe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern ebenso wertvoll und schützenswert ist wie die zwischen Mann und Frau. Laurels und Stacies Sieg im Film hat zumindest mich auch deshalb so berührt, weil deutlich wird, wie sehr der Kampf dieser beiden Frauen im realen Leben dazu beigetragen hat, dass schwule und lesbische Paare in den USA heute heiraten können.

“Freeheld” startet am 7. April 2016 in den deutschen Kinos. Mehr Infos zum Film und den deutschen Trailer gibt es auf der offiziellen Webseite.

Autor/in: Meike

Bloggerin aus Leidenschaft, Bachelor im Seriengucken, out and proud since 1998. Ich sehe fern und schreibe darüber. Mehr Infos über die Bloggerin und ihren Blog gibt es hier.

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