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Frauenliebe bei “Rote Rosen”

Heute Morgen bin ich auf Twitter auf diese Meldung gestoßen:

“Rote Rosen” thematisiert Liebe zwischen Frauen – dwdl.de

Die Meldung beruht auf einer Presseinformation von “Das Erste” und einem Online-Artikel der BILD.

Meine spontane Reaktion: “Um Himmels Willen”. Müssen solche Geschichten denn immer mit so viel Klischee angekündigt werden? Oder warum genau ist es relevant, dass die neue Figur Isabelle Münzberg “ein Faible für klassische Hosenanzüge” hat? 

Die Zitate der Darstellerin Charlotte Bohning gegenüber BILD machen es auch nicht besser. Klar muss man bedenken, aus welcher Zeitung da zitiert wird, aber trotzdem wird eine lesbische Liebesgeschichte wieder einmal darauf reduziert, dass sich hier zwei Frauen küssen (“bartstoppelfreier Kuss”, ja nee, is klar). Und dann geht es auch nur um eine “mehrwöchige Episodenrolle”, was heißt, dass es wohl keine langfristige Geschichte sein wird. Um das vermeintlich konservative Rote Rosen-Publikum nicht allzu sehr zu verschrecken?

Es mag wie ein Fortschritt aussehen, dass jetzt auch in einer der Nachmittags-Telenovelas der ARD eine gleichgeschlechtliche Liebesgeschichte erzählt wird. Trotzdem: Ich bin es langsam leid, wie schwer sich gerade die deutschen Fernsehproduktionen mit Vielfalt immer noch tun und reichlich genervt, dass dies überhaupt noch ein Thema ist, das man – wahrscheinlich voller Stolz, wie fortschrittlich man doch ist – mit einer eigenen Pressemitteilung ankündigt. Einfach mal zu machen, eine Figur ganz selbstverständlich und ohne große Erklärung lesbisch oder schwul sein zu lassen – das wäre für mich der eigentliche Fortschritt. Dann müssten wir auch keine Ausrufezeichen-Berichterstattung wie die in der BILD (“‘Rote Rosen’ wird lesbisch!”) mehr ertragen.

Was Rote Rosen angeht: Keine Ahnung, ob ich da reinschalte, viel Lust habe ich nicht. Ich lasse mich aber gern eines Besseren belehren. Also: Wenn von euch jemand einschaltet und die Geschichte sehenswert findet, lasst es mich gerne wissen.

Update (24.10.2015): Ich habe nun doch eingeschaltet. Meine Gedanken zu der Storyline findet ihr in den Kommentaren.

Autor/in: Meike

Bloggerin aus Leidenschaft, Bachelor im Seriengucken, out and proud since 1998. Ich sehe fern und schreibe darüber. Mehr Infos über die Bloggerin und ihren Blog gibt es hier.

10 Kommentare

  1. Ja, ja…die liebe Tilt-Zeitung. Oder auch Maurer-Fibel. Das Blättchen kann es halt nicht besser. Wenn ich mich da an diese “Popo-S**”-Schlagzeile neulich erinnere. *mich zwischen rofl und Schreikrampf immer noch nicht final entscheiden kann*

    Hm. Danke für den Tipp. Vielleicht tue ich mir dann die Röschen ja doch mal an. Obwohl mir der Gedanke daran graut. a) Es ist die Lieblingssendung meines 90-jährigen Großvaters. *aaaaahrrg*
    b) Ich bin doch schon beim Sturm immer kurz nach der Titelmelodie eingeschlafen. 😉

    • Meine Mutter hat die Rosen auch eine Zeit lang während des Mittagsschlafs laufen lassen. Scheint eine beruhigende Wirkung zu haben.

      Ansonsten ist es doch faszinierend, dass es nach 9 Jahren erstmals eine Lesbe in dieser Serie gibt. Ja, sie spielt in Lüneburg, aber selbst da gibt es welche, das weiß ich aus eigener Erfahrung. 😉

  2. Update für die, die es interessiert: Die Figur Isabelle Münzberg ist ab Folge 2056 zu sehen, die voraussichtlich am 7.10. ausgestrahlt wird, den ersten “bartstoppelfreien” Kuss gibt es in Folge 2064, voraussichtlich am 19.10.

  3. Die Neugier und das Bloggerinnen-Pflichtbewußtsein haben gesiegt und ich habe mir das dann doch mal angeschaut. Zur Belohnung gab es einen Ohrwurm von diesem dämlichen Katy Perry-Song – ihr wisst schon welchem. Allein für die Verwendung dieses Liedes gibt es schon massive Abzüge in der B-Note.

    Ansonsten – tja. Nun ja. Besonders plausibel wirkt das alles nicht, der Kuss kam ziemlich aus heiterem Himmel und was diese beiden Frauen miteinander verbindet ist mir auch noch nicht ganz klar. Freundschaft ist es irgendwie nicht, dann aber wohl irgendwie doch, man weiß es nicht so genau.

    Pluspunkte bekommen die Autor*innen definitiv für die eher coole Reaktion von Eliane, der Geküssten: “Kein Problem. Ich meine – ich bin schon schlechter geküsst worden.”

    Was dann wiederum reichlich konstruiert wirkte war Isabelles Verführungsversuch bei einem Mann. Nicht, dass Frauen, die sich plötzlich ihrer Sexualität nicht mehr sicher sind, das nicht machen würden. Aber auch diese Szene kam wieder komplett aus heiterem Himmel. Es wäre schön, wenn sich die Autor*innen grundsätzlich einfach mehr Zeit genommen hätten, Isabelle als Figur zu entwickeln und ihre Gefühlswelt, insbesondere das Chaos nach dem Kuss, zu beleuchten. Vielleicht kommt das noch, es wäre wünschenswert.

  4. Diese Serie schafft es tatsächlich ein ums andere Mal, mich zu überraschen. Die Storyline und die Figuren finde ich immer noch nicht sehr gut entwickelt – das dürfen die Storyliner gern noch mal üben – aber einzelne Szenen sind dann so gut geschrieben, dass ich richtig begeistert bin. In der Folge heute (15.12.) haben die beiden nun endlich zueinander gefunden, das war schön erzählt und von den Schauspielerinnen auch toll gespielt. Dafür lohnt es sich, die Mediathek anzuschmeißen. Dann am besten bei der gestrigen Folge anfangen – da gab es auch schon ganz schöne Szenen mit den beiden.

    Ach, und zwei Frauen miteinander im Bett zu zeigen und es ist ziemlich klar, dass die nicht nur Händchen gehalten haben – das dürfte auch ein ziemliches Novum in einer Nachmittagsserie sein. Hut ab, “Rote Rosen”!

  5. “Diese Serie schafft es tatsächlich ein ums andere Mal, mich zu überraschen. Die Storyline und die Figuren finde ich immer noch nicht sehr gut entwickelt – das dürfen die Storyliner gern noch mal üben – aber einzelne Szenen sind dann so gut geschrieben, dass ich richtig begeistert bin.”

    Geht mir auch so!
    Manche Texte/Szenenmomente find ich gut, manchmal gar mutig und/oder kontrovers, die Storyentwicklung aber sehr mit der heißen Nadel gestrickt.
    Ich finde Charlotte Bohning bringt da manchmal was Frisches/Freches rein, was man seltener so sieht und auch Samantha Viana hat nun z.B. letztens die verletzte und besorgte Eliane sehr überzeugend gespielt. *Seufz* Ich nehme beiden das Paar absolut ab. Sie wirken für mich sehr natürlich zusammen. Für meinen Geschmack oft z.T. mehr als z.B. die Marbeccas. Aus den beiden, aus dem Charakterausgangsmaterial und selbst auch aus dem Konflikt, den die Autoren jetzt gestrickt haben bzgl. anderer Rangehensweise/Sichtweise auf ihre Liebe und das Lesbisch oder Bi-Sein und die “Szene” hätte man viel machen können. Nun wird halt ein schnelles Ende konstruiert… schade drum. 🙁

    • “Aus den beiden, aus dem Charakterausgangsmaterial und selbst auch aus dem Konflikt, den die Autoren jetzt gestrickt haben bzgl. anderer Rangehensweise/Sichtweise auf ihre Liebe und das Lesbisch oder Bi-Sein und die „Szene“ hätte man viel machen können.”

      Das sehe ich auch so, zumal ich mich nicht erinnern kann, dass es so eine Art von Konflikt schon mal in einer Storyline gab, obwohl er ziemlich realistisch ist. Ich kenne einige Frauen, die nach ihrem Coming-out total aufgedreht haben und für die es nichts anderes mehr als die “Szene” gab. Ihre Freundinnen wurden mehr oder weniger mitgeschleppt und waren irgendwann reichlich genervt. Daraus könnte man so viel machen. Aber blöd, wenn man sich schon im Vorfeld der Einführung einer Figur festlegt, dass es nur eine “mehrwöchige Episodenrolle” sein soll, ohne abzuwarten, ob und wie die Figur oder Storyline funktioniert. Sehr schade. 🙁

      • Ist nur die Frage, ob solch eine Story aus Sicht der Schreiber für den “Normalbürger”, der ne TN sieht, dann nicht zu fremd wäre. Ich denke, deswegen haben sie solch diese Geschichte auch nur als Ende/Rausschreibgeschichte gewählt.
        Ein lesbisches Paar ist ja noch ok, aber nun mit Subkultur, die sich abgenzt und in ihre eigenen Räume zurückzieht… das ist zu viel. 😉
        Musst nur mal die Kommis zu dieser Charakterentwicklung von Isabelle im ARD Forum lesen 😉
        Womit ich allerdings nun nicht sagen will, dass das nun repräsentativ wäre, aber ich denk Frauenliebe ist dann noch ok, wenn sie als “im Grunde wie jede andere Liebe” gezeigt wird. Wenn es zu anders und fremd wird, gehen die Klappen dann doch recht schnell runter bzw. es interessiert dann halt nicht mehr oder kann nicht nachvollzogen werden. Schließlich will sich ja niemand als Außenseiter oder fremd fühlen 🙂