Permalink

off

Lesben in Serie: Block B, GZSZ, The Team u.a.

Bei RTL gibt es wieder einen Frauenknast, Anni & Jasmin haben Beziehungsstress und dank der europäischen Koproduktion The Team durfte kürzlich auch im ZDF mal eine lesbische Kommissarin ermitteln. Außerdem: Gedanken und Infos zu One Big Happy, Pretty Little Liars, Orange Is the New Black u.a.

Block B – Unter Verdacht

Ganz neu und anders sollte sie sein, die neue Frauenknast-Serie bei RTL. Härter, schonungsloser, radikaler, ein “Frauenknast next generation” (n-tv), so war es in den Ankündigungen zu lesen. Eben mehr als einfach nur “Hinter Gittern – Reloaded”. Aber wie neu und anders kann eine Serie sein, wenn sie sich in weiten Teilen an ein existierendes Format anlehnt? Zum Start der Serie Anfang März stellten viele Kritiker, u.a. bei DWDL und Serienjunkies, jedenfalls fest, wie ähnlich Block B – Unter Arrest der australischen Serie Wentworth ist, bis hin zu Namen und Outfit der Insassinnen. Besonders innovativ wirkt das nicht.

Doch selbst wenn man davon ausgeht, dass die durchschnittliche RTL-Zuschauerin Wentworth wahrscheinlich nicht kennt, ist das, was RTL und UFA Serial Drama uns da als toll und neu verkaufen wollen, leider nicht sehr originell. Da helfen auch keine bekannten Gesichter wie die von Katrin Sass, Nina Hoger und Claudia Michelsen im Cast der Serie, wenn bei den Figuren jeweils nur an der Oberfläche gekratzt wird, man einer wirklichen Figurenentwicklung aber leider keinen Raum gibt. Stattdessen wird mit schnellen Schnitten und Wackelkamera zur nächsten, ziemlich vorhersehbaren Geschichte hetzt. Das gilt auch und gerade für die obligatorische Knastlesbe Chris und die sich anbahnende Liebesgeschichte mit der Anstaltsleiterin Ariane. Die Lesbe ist tough und provokativ, nicht zu vergessen tätowiert, die Anstaltsleiterin ehrgeizig, zugeknöpft und irgendwie zwar nicht mehr so ganz glücklich mit ihrem Dauerverlobten, aber es ist eben wie es ist. Bevor man es wagt, seine geheimsten Wünsche auszuleben, tut es für den ärgsten Druck halt auch mal der Typ, der sowieso im Bett neben einem liegt. Ja, doch, total innovativ. Insbesondere das mit dem unmotivierten Heterosex hat man im Rahmen einer eigentlich lesbischen Liebesgeschichte auch wirklich noch nie gesehen. *seufz*

Jemand hätte RTL und UFA Serial Drama außerdem gern daran erinnern dürfen, dass sie das Klischee der toughen, tätowierten Lesbe gerade schon bei GZSZ eingesetzt haben. Und am besten gleich noch daran, dass die Knastlesbe bei Hinter Gittern auch Christine hieß. Oder sollte das eine versteckte Hommage an “Walter” sein? Dann hätte man auch gleich das Original zurückbringen können. Da hätten wahrscheinlich alle mehr von.

GZSZ

Vor einigen Wochen bekam ich eine leicht panische Nachricht von einer Freundin. Ob ich schon die neuesten GZSZ-Spoiler gelesen hätte. Die mit Anni und – nein, nicht Jasmin, sondern mit John. Im Bett.

Hatte ich. Und teilte das ungute Gefühl. Die würden doch wohl nicht…?

Haben sie nicht. Die Episode war sogar eigentlich ganz amüsant und es wurde immer wieder klargestellt, dass Anni nicht im Traum daran denken würde, mit einem Mann zu schlafen. Nicht einmal mit John. Nicht einmal im Suff.

Trotzdem hatte die Geschichte für mich einen leicht schalen Beigeschmack. Was ich mich gefragt habe: Hätte John jemals die Befürchtung gehabt, Pia betrogen zu haben, wenn er nackt neben einem Hetero-Mann aufgewacht wäre, beispielsweise seinem Kumpel Leon? Das würde ich gern mal sehen. Dann wäre die Storyline für mich insgesamt okay. Wahrscheinlich wäre es aber eher nicht so, schließlich sind sie beide hetero, interessieren sich also nicht für Männer. Anni ist lesbisch, interessiert sich also auch nicht für Männer. Das spielte hier aber anscheinend keine Rolle. Noch schlimmer: Als John, um Anni eins auszuwischen, im Vereinsheim behauptet, er habe mit einer Lesbe geschlafen, grölt die Meute. John steht als Held da, ein ganzer Kerl, dem nicht einmal Lesben widerstehen. Ganz nach dem Motto: “Braucht halt nur der richtige Kerl zu kommen.” So war es nicht gemeint, aber es wäre toll gewesen, wenn man bei GZSZ diese Denkweise noch deutlicher an den Pranger gestellt hätte.

Ansonsten muss ich zugeben, dass ich, mit Ausnahme einiger weniger Folgen, seit über einem Monat kein GZSZ mehr gesehen habe und ziemlich raus bin. Annis “Nicht-Liebeslied” für Jasmin, in welchem sie zum Ausdruck bringt, wie unglücklich sie mit ihrer Beziehung ist, habe ich aber mitbekommen und auch das anschließende Drama, aufgrund dessen wahrscheinlich tausende JasAnni-Fan-Herzen auf der ganzen Welt gebrochen sind. Was mir bisher an der Geschichte gefällt: Dass es nicht um Untreue geht, weder mit einer Frau noch einem Mann, sondern um die unterschiedichen Persönlichkeiten und Erwartungen an eine Beziehung und ein gemeinsames Leben. Es könnte spannend werden zu sehen, ob und wie Anni und Jasmin sich zusammenraufen und eine Lösung finden.

Das Video zum Song mit vielen schönen, aber auch traurigen Anni & Jasmin-Szenen könnt ihr derzeit noch auf der Webseite von RTL sehen: Exklusives Video: Anni singt einen Song für Jasmin

The Team

Im ZDF lief an den vergangenen Sonntagabenden der Krimi-Mehrteiler The Team, eine europäische Koproduktion. Der Inhalt ist schnell erzählt: Als in Berlin, Kopenhagen und Antwerpen in engem zeitlichen Zusammenhang drei Prostituierte nach demselben Muster ermordet und verstümmelt werden, macht sich ein Team aus deutschen, dänischen und belgischen Ermittlerinnen und Ermittlern gemeinsam an die Aufklärung der Fälle und kommt dabei einem brutalen Menschenhändler auf die Spur. Neben dem eigentlichen Lösen des Falls spielt dabei, wie es insbesondere in skandinavischen Serien inzwischen üblich ist, auch das Privatleben der Polizistinnen und Polizisten eine nicht unerhebliche Rolle.

Ehrlich gesagt habe ich The Team nur aufgrund der massiven Twitter-Kampagne des ZDF eine Chance gegeben. Denn was Serienproduktionen gerade des Zweiten Deutschen Fernsehens angeht, bin ich eher skeptisch geworden: Zu stereotyp, zu altbacken, zu weichgespült und wenig innovativ, gerade auch was die Vielfältigkeit von Figuren angeht. Dass da eine Serienfigur einfach mal schwul, lesbisch, trans oder auch nicht-weiß ist, ohne dass dies irgendwie kommentiert oder betont werden muss, scheint fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Und dann kommt da ein dänisches Autorenduo, jubelt dem ZDF völlig unspektakulär nicht nur eine, sondern gleich mehrere frauenliebende Polizistinnen unter und bringt dabei vorübergehend sogar das “gaydar” so mancher Zuschauerin durcheinander.

Auf diesem dürfte bei vielen zu Beginn der Serie nämlich insbesondere die belgische Kommissarin Alicia Verbeek auftauchen: sportlich, burschikos, tough und etwas spröde, alles Attribute, die irgendwie ganz gut zum Bild “lesbische TV-Kommissarin” zu passen scheinen. Dass dann nicht aus Alicias Bett, sondern aus dem der deutschen Kommissarin Natascha eine andere Frau steigt und ihr einen Guten-Morgen-Kuss gibt, ist daher eine irgendwie unerwartete, aber nicht unwillkommene Wendung. Denn zum Glück erspart das Autorenduo den Zuschauerinnen und Zuschauern eine langatmige, problematische Coming-out-Geschichte. Stattdessen spielen sie immer mal wieder mit dem Wissen des Publikums um Nataschas Beziehung zu der anderen Frau, die, wie sich herausstellt, ebenfalls Polizistin ist. Relevant wird dies insbesondere im Hinblick auf Nataschas Zusammenarbeit mit Alicia. Unter anderem aufgrund eines entsprechenden Blicks von Nataschas Freundin fragt man sich als aufmerksame Zuschauerin irgendwann, ob diese vielleicht Grund zur Eifersucht haben könnte.

Dies klärt sich zum Schluss der Staffel, als das Team seinen Ermittlungserfolg in einer Bar feiert, und der Reparaturauftrag für das vermeintlich kaputte “gaydar” kann damit dann auch endgültig storniert werden. Denn die Blicke, die Natascha und Alicia austauschen, sagen deutlich, dass sich da etwas zwischen ihnen angebahnt hat. Was genau, das erfahren wir dann vielleicht/hoffentlich in einer zweiten Staffel.

Sämtliche Folgen von The Team sind übrigens derzeit noch in der ZDF-Mediathek verfügbar. Auch wenn die Serie einige Längen und Holperer hat und nicht alle Handlungsstränge wirklich relevant scheinen, fand ich sie auch unabhängig von der Natascha-Storyline insgesamt sehenswert, insbesondere in der OmU-Version.

One Big Happy

In den USA ist vor einigen Wochen die neue Sitcom One Big Happy gestartet, in der es um die Lesbe Lizzy geht, die zusammen mit ihrem besten Freund Luke ein Kind bekommt. Doch die Sache wird kompliziert, als Luke sich Hals über Kopf in die Britin Prudence verliebt und sie, damit sie in den USA bleiben darf, spontan heiratet. Von nun an müssen sich Lizzy, Luke und Prudence irgendwie arrangieren, damit aus ihnen und dem Kind eine große, glückliche Familie (one big happy family) werden kann.

Eine schwangere Lesbe, wie originell. Nicht. Noch schlimmer: Sie hat nicht einmal eine Partnerin, sondern ist Single und darf das fünfte Rad am Wagen eines Hetero-Paares geben. Das klingt alles nicht sehr vielversprechend und tatsächlich gab es für mich eigentlich nur zwei Gründe, mir die Pilotfolge überhaupt anzusehen: Liz Feldman und Ellen DeGeneres. Feldman, manchen von euch vielleicht noch bekannt aus der witzigen und sehenswerten Web-Talkshow This Just Out, hat OBH entwickelt und Ellen ist als Produzentin mit an Bord. Schon für diese beiden würde ich mir wünschen, dass die Serie Erfolg hat, und auch, weil es die erste amerikanische Sitcom mit einer lesbischen Hauptfigur ist, seit Ellen 1998 abgesetzt wurde.

Ob uns Elisha Cuthbert als lesbische Lizzy lange erhalten bleiben wird, scheint allerdings fraglich, denn die Kritiken zur ersten Folge waren eher gemischt. Allerdings fand ich zum Beispiel die zweite Folge unterhaltsamer als die erste, also vielleicht wird es ja noch.

Für die, die sich selbst einen Eindruck verschaffen möchten, ist hier der Trailer. Und wem das nicht reicht, der findet unter Zuhilfenahme der Suchfunktion die ersten beiden Folgen auf YouTube.

Pretty Little Liars

Weil man ja nicht immer nur lernen kann, habe ich in den vergangenen Wochen zur Ablenkung von meiner Prüfungsvorbereitung den ein oder anderen Serien-Marathon durchgezogen. Mit dabei: Pretty Little Liars. Mein Ehrgeiz war es, die aktuelle fünfte Staffel bis zum für das Staffelfinale angekündigten “Big ReveAl” gesehen zu haben. Hat nicht ganz geklappt, aber inzwischen weiß auch ich, wer “A” ist. Was aber nicht heißt, dass die Episode nicht mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet hätte. Typisch PLL halt.

Der Grund, warum ich in diesem Blog über die Serie schreibe, ist aber nicht die oder der mysteriöse A, sondern die lesbische Community in Rosewood. Wenn es da nicht das geringfügige Problem der außergewöhnlich hohen Mordrate gäbe, wäre dieser Ort das Paradies für Lesben, denn hier scheinen attraktive Frauen, die Frauen lieben, auf den Bäumen zu wachsen. Verlässt eine den Ort, wächst sofort eine andere nach. Und falls doch noch mal jemand dem Irrglauben unterliegt, Emily würde Männer lieben, dann wird das mit Aussagen wie “He’s a she and she’s amazing” oder “I’m with a girl. I realized that’s who I wanna be with and that’s who I am” schnell und unproblematisch korrigiert. Wenn man sich jetzt noch vor Augen führt, dass diese Serie – übrigens ebenso wie The Fosters, wo es um ein lesbisches Paar und die gemeinsam aufgezogene Kinderschar geht – in den USA (!) bei einem Sender läuft, der das Wort “Familie” im Namen trägt (nämlich ABC Family), möchte man angesichts deutscher Sender, die anscheinend noch immer meinen, “solche” Themen wäre nicht familienfreundlich oder kindgerecht, echt nur weinen.

Tipp: Die Staffeln 1 bis 4 von Pretty Little Liars gibt es beim VoD-Anbieter Netflix zu sehen, auch in der Originalversion.

Und dann wäre da noch…

Apropos hohes Lesbenaufkommen: Netflix hat den Veröffentlichungstermin für die dritte Staffel von Orange Is the New Black bekannt gegeben. Am 12. Juni 2015 werden die neuen Folgen mit den Insassinnen und Angestellten des Frauengefängnisses in Litchfield veröffentlicht, und zwar auch bei Netflix Deutschland.

Knapp zwei Monate früher, nämlich schon ab dem 17. bzw. 18. April, dürfen sich Fans in den USA (und im Rest der Welt, wenn sie wie auch immer Zugriff auf US-Fernsehen haben ;-)) über neue Folgen von Lost Girl bzw. Orphan Black freuen. Bei Lost Girl wird die dann ausgestrahlte 5. Staffel leider auch die letzte sein, mit Orphan Black wird es dagegen nach der anstehenden 3. Staffel hoffentlich weitergehen.

Ob und wann die neuen Folgen von Lost Girl und Orphan Black in Deutschland zu sehen sein werden, ist noch nicht bekannt. Für eine andere Serie mit einem lesbischen Paar gibt es jetzt aber einen Starttermin: Die aktuelle 11. Staffel von Grey’s Anatomy soll ab dem 20. Mai auf ProSieben zu sehen sein. Natürlich ist auch das Ärztinnen-Paar Callie & Arizona weiterhin mit dabei, den beiden stehen aber – mal wieder – schwere Zeiten bevor. Ein kleiner Trost für die Fans wird da vielleicht der Handlungsbogen rund um Arizonas Zusammenarbeit mit der Chirurgin Nicole Herman sein, gespielt von der großartigen Geena Davis. Ein echtes Highlight!

Eher kein Highlight, sondern ein voraussichtlich schmerzvoller Abschied steht dagegen Fans von The Good Wife bevor. Archie Panjabi alias Kalinda wird die Serie mit dem Ende der aktuellen 6. Staffel verlassen. Damit müssen wir wohl leider auch Abschied nehmen von Kalindas diversen Bettgefährtinnen, allen voran der FBI-Agentin Lana.

Soweit erst einmal von mir. Habt ihr Ergänzungen, Gedanken, Meinungen? Dann immer rein damit ins Kommentarfeld.

Autor/in: Meike

Bloggerin aus Leidenschaft, Bachelor im Seriengucken, out and proud since 1998. Ich sehe fern und schreibe darüber. Mehr Infos über die Bloggerin und ihren Blog gibt es hier.

Kommentare sind geschlossen.