Permalink

2

Liebe in der Parallelwelt

Der Film “Ich will dich“ erzählt die Geschichte von Marie und Ayla, die sich ineinander verlieben, obwohl sie beide mit Männern zusammenleben. Hat ihre Liebe eine Chance?

„Ich bin nicht lesbisch“, sagt Marie irgendwann abwehrend zu Ayla, doch da ist es schon zu spät. Ausgerechnet während eines Pärchenwochenendes hat es zwischen der verheirateten Marie und Ayla, der Freundin von Maries altem Freund Dom, gefunkt. Auch wenn Marie zunächst gegen ihre Gefühle ankämpft, lässt sie sich bald auf eine Affäre ein, die auch weitergeht, nachdem Ayla von Dom schwanger wird und ihn heiratet. Erst als Maries halbwüchsiger Sohn Jonas das Verhältnis der beiden Frauen aufdeckt, müssen sie sich entscheiden: Hat ihre Liebe auch außerhalb der Parallelwelt, in die sie sich geflüchtet haben, eine Chance?

Dass sich in Filmen zwei Menschen ineinander verlieben, die eigentlich schon anderweitig vergeben sind, ist nichts Neues. Wenn Ich will dich auf der Webseite von ARTE als „ungewöhnliche Liebesgeschichte“ beschrieben wird, hat das daher wohl eher damit zu tun, dass es hier um zwei Frauen geht, die sich aufeinander einlassen – etwas, das in deutschen Filmen leider immer noch selten erzählt wird und deshab wohl als ungewöhnlich gelten muss.

Vielleicht soll sich die Beschreibung aber auch darauf beziehen, wie die Liebe zwischen Marie und Ayla erzählt und gezeigt wird, nämlich weniger romantisch als vielmehr leidenschaftlich und heftig. Immer wieder wird das fast schmerzhafte Begehren der beiden Frauen deutlich, die einfach nicht voneinander lassen können. Insbesondere was Marie angeht, erklärt der Film dabei wenig, sondern lässt ihr Verhalten für sich sprechen und öffnet damit Raum für Interpretationen. Ist es nur eine Reaktion auf beruflichen und familiären Stress – ihr Mann Bernd betrügt sie, ihre 14jährige Tochter Lilly will die Pille, Sohn Jonas wird mit Gras erwischt – oder ist es doch mehr? Und weiß Marie eigentlich selbst so genau, was sie da tut? Auch die Motive von Ayla sind nicht deutlich. Warum will sie unbedingt an der Beziehung mit Dom festhalten, wenn sie doch offensichtlich Marie liebt?

Der Film bietet hier keine einfachen Lösungen an, aber gerade das ist eine seiner Stärken. Liebe ist eben nicht schwarz und nicht weiß und schon gar nicht rosarot, sondern sie ist kompliziert und kann wehtun. Dabei sind einige Szenen gerade zum Ende hin eher schwer zu ertragen und wirken im Hinblick auf die Entwicklung der Figuren auch nicht unbedingt stringent. Dennoch lohnt es sich, dem Film eine Chance zu geben und – soviel sei verraten – bis zum Schluss durchzuhalten.

Wer jetzt neugierig geworden ist: Noch bis nächsten Freitag (20.2.15) ist der Film auf der Webseite von ARTE abrufbar.

Autor/in: Meike

Bloggerin aus Leidenschaft, Bachelor im Seriengucken, out and proud since 1998. Ich sehe fern und schreibe darüber. Mehr Infos über die Bloggerin und ihren Blog gibt es hier.

2 Kommentare

  1. Wir haben den Film auch gesehen. Also meine Freundin meinte er wäre deutlich besser als den Kram den ich so die letzten male ausgeliehen oder gekauft hätte, was aber vermutlich eher gegen die ausgeliehenen Filme spricht. Generell war der Film ja okay, also man konnte das schon nachvollziehen.Natürlich war er wieder etwas merkwürdig, streckenweise recht depremierend und naja, wie Lesbenfilme halt so sind, aber das Ende war in der Tat ganz schön. Was mir mal wieder aufgefallen ist, ist dass man den heterosexuellen Akt (wie so oft) auch einbauen musste und der auch wirkte wie ein Zahnarztbesuch mit Zähne bohren kurz vor Weihnachten – schrecklich, muss aber scheinbar sein und am Ende war er doch unnötig da der Zahn eh raus muss. Weiß auch nicht. Die Schauspieler waren aber gut besetzt und auch wenn ich diese ernsten Verheiratete-Frau-verliebt-sich-plötzlich-in-andere-Frau Geschichten oft schwer zu ertragen finde, war er doch gelungen und man freut sich ja schon über die kleinen Dinge im Leben.

  2. “streckenweise recht depremierend und naja, wie Lesbenfilme halt so sind” – sehr treffend. Das mit der Sexszene mit dem Ehemann fand ich auch total überflüssig, das war eine der Szenen, die ich schwer zu ertragen fand, wie ohnehin die Reaktion der Männer und dass Marie sich davon so klein hat machen lassen. Passte für mich nicht zu der selbstbewussten Figur. Umso mehr habe ich gejubelt, als sie ihren Göttergatten endgültig abgeschossen hat. 😉