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Serien-Tipp: Defiance

Heute Abend startet die amerikanische Science Fiction-Serie Defiance, die bisher nur beim PayTV-Sender SyFy zu sehen war, im deutschen FreeTV. In der Serie kann man bekannte Seriendarstellerinnen und “lesbian favorites” wie Julie Benz (Buffy, Desperate Housewives), Jaime Murray (Warehouse 13) und The L Words “Jenny” Mia Kirshner in interessanten Rollen sehen, die ein wenig anders sind, als man es sonst bei SciFi-Serien vielleicht erwartet. Auch für Nicht-Sci-Fi-Fans könnte sich ein Blick lohnen.

Defiance spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft. Ein Krieg zwischen den Menschen und einer Gruppe verschiedener außerirdischer Völker hat auf allen Seiten nur Verlierer zurückgelassen. Die Erde wurde durch sogenanntes Terraforming verwüstet. In den wenigen verbliebenen Städten versuchen Menschen und Außerirdische, irgendwie miteinander auszukommen und zu überleben. Als der ehemalige Soldat Nolan (Grant Bowler) mit seiner außerirdischen Adoptivtochter Irisa (Stephanie Leonidas) in das kleine Städtchen Defiance kommt, das auf den Ruinen des ehemaligen St. Louis errichtet wurde, soll dies für die beiden eigentlich nur ein Zwischenstopp auf dem Weg in eine bessere Zukunft sein. Doch dann geschieht ein Mord und Nolan wird mit der Aufklärung beauftragt. Nolan und Irisa bleiben in Defiance – nicht ahnend, dass sich eine schreckliche Bedrohung auf die Stadt zu bewegt…

Als Serienfan mit Hang zu Science Fiction und Fantasy war ich auf Defiance ziemlich gespannt. Nach Ausstrahlung der Auftaktfolge im vergangenen April war ich allerdings zunächst enttäuscht. Meine Enttäuschung bezog sich weniger auf die Geschichte an sich als vielmehr auf die Darstellung von Geschlechterrollen und Sexualität. Denn die Serie, die neben Science Fiction auch Elemente des Westerns enthält, schien vor allem genretypische Klischees bedienen zu wollen, mit Nolan als toughem Cowboy mit harter Schale, aber weichem Kern, der in die Stadt geritten kommt und zum Retter in der Not wird. Zwar wird Defiance von einer Bürgermeisterin (Julie Benz) regiert, doch wenn es hart auf hart kommt, so schien es, braucht sie eben doch einen ganzen Kerl an ihrer Seite.

Auch die anderen Frauenfiguren erschienen mir eher stereotyp: Die menschliche Saloonbesitzerin Kenya (Mia Kirshner), die sofort mit dem stattlichen Neuankömmling anbändelt; die Castithan-Frau Stahma (Jaime Murray), ergebene Ehefrau und Mutter, die sich den Traditionen ihres Volkes unterwirft und devot den ihr zugewiesenen Platz in der Familie einnimmt; oder auch Nolans Tochter Irisa, ein egoistischer Trotzkopf. Am interessantesten fand ich da noch die trockene, herablassende Art der außerirdischen Ärztin Doc Yewll (Trenna Keating), auch wenn sie in der Auftaktfolge vergleichsweise wenig zu sehen war.

Dass Defiance nun doch hier als Serien-Tipp aufgeführt ist, liegt daran, dass mein erster Eindruck sich – zum Glück – nicht bestätigt hat. Zwar hätte es vielleicht dennoch Gründe gegeben, sich die Serie anzusehen (Jaime Murray!), aber es ist wesentlich einfacher, wenn Erzählweise und Figuren nicht wirken, als stammten sie aus dem letzten Jahrhundert.

Anders als befürchtet sind es gerade die Frauenfiguren, die sich im Laufe der inzwischen zwei Staffeln – eine dritte wurde gerade in Auftrag gegeben – weiterentwickeln und althergebrachte Geschlechterrollen in Frage stellen dürfen. Auch wenn oder vielleicht gerade weil diese Entwicklungen nicht immer zum Positiven verlaufen, machen sie die Figuren facettenreicher und damit interessant.

Die Seriemacherinnen und -macher haben sich bei mir zudem weitere Pluspunkte verdient, weil sie die Serie immer wieder nutzen, um – teilweise auch ganz beiläufig – Heterosexualität als Norm in Frage zu stellen. Damit meine ich gar nicht so sehr die Liebesgeschichte zwischen zwei Frauenfiguren, die über mehrere Folgen erzählt wird, zumal dabei unglücklicherweise doch wieder ein bisschen zu tief in die Klischeekiste gegriffen wird. Es geht um kurze Momente der Irritation, wenn eine heteronormativ geprägte Erwartungshaltung nicht erfüllt wird, z.B. wenn deutlich wird, dass unter den Kunden einer Prostituierten auch Frauen sind, dies von den Figuren jedoch nicht besonders kommentiert wird bzw. wenn es auch nicht ungewöhnlich zu sein scheint, dass ein Mann Sex mit einem anderen Mann will. Dabei geht es nicht nur um käufliche Liebe, sondern auch um romantische Gefühle und Beziehungen zwischen Partnern des gleichen Geschlechts. All dies kommt in Defiance vor – and it’s no big deal.

Wenn die Welt untergegangen ist, hat man eben andere Sorgen, als sich über die Sexualität seiner Nachbarn Gedanken zu machen.

Defiance läuft ab heute (2.10.) jeden Donnerstag um 20:15 Uhr auf Tele 5.

Bild oben: SyFy / Trion Worlds

Autor/in: Meike

Bloggerin aus Leidenschaft, Bachelor im Seriengucken, out and proud since 1998. Ich sehe fern und schreibe darüber. Mehr Infos über die Bloggerin und ihren Blog gibt es hier.

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