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Video-Clips zum Thema Gleichstellung: “Tolerant? Sind wir selber”

Mit ironischen Video-Clips zum Thema Gleichstellung wollen Regisseurin Angelina Maccarone und Autorin Carolin Emcke nicht nur zum Nachdenken bewegen, sondern auch unterhalten. Das Ergebnis ist sehenswert.

Tolerant_Maskerade

v.li.n.re. Maren Kroymann, Eva Meckbach, Dunja Hayali, Ipek Ipekcioglu in „Tolerant? Sind wir selber“ – aus dem Clip #3 „Maskerade“

Kaum zu glauben, aber wahr: Auch im Jahr 2014 steht es in unserer Gesellschaft mit der Akzeptanz und Anerkennung von Menschen, die anders leben und lieben als die Mehrheit, nicht zum Besten. Die in weiten Teilen erst durch Urteile des Bundesverfassungsgerichts erzwungene rechtliche Gleichstellung, die dennoch noch immer nicht zu 100 % erreicht ist, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es weiterhin Vorbehalte gegen Homo-, Bi-, Trans- und Intersexuelle gibt.

Es mag – zum Glück – eine Minderheit der Bevölkerung sein, die sich nicht von den alten, längst überholten Vorstellungen von Liebe, Zusammenleben und Familie lösen kann. Aber diese Minderheit hat es in den vergangenen Monaten geschafft, sich lautstark Gehör zu verschaffen. Unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit (“Man wird doch wohl noch sagen dürfen”) haben Gleichstellungsgegnerinnen und -gegner in Talkshows, in Online-Medien und sogar auf der Straße Argumente gegen eine Anerkennung und Gleichbehandlung ihrer nicht-heterosexuellen Mitbürgerinnen und Mitbürger vorgetragen, die teilweise so abstrus sind, dass einem kaum mehr als ein Kopfschütteln dazu einfällt.

Regisseurin Angelina Maccarone (u.a. “Kommt Mausi raus?!” und “Fremde Haut”) und Autorin Carolin Emcke haben sich für eine andere Reaktion entschieden: Ironie. In drei Video-Spots greifen sie unter dem Motto “Tolerant? Sind wir selber” gesellschaftliche Erwartungen und Zuschreibungen auf und spielen damit. Sie fragen, wer hier eigentlich wen toleriert, wer „wir“ und wer „die anderen“ sind und wie privat Liebe sein darf, wie öffentlich sie sein muss. Diese “filmische Intervention” soll die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht belehren, sondern sie sollen sich wiedererkennen und zum Lachen gebracht werden, und zwar nach Möglichkeit über die eigenen Ressentiments.

Der erste Clip mit dem Titel “Coming Out” ist am vergangenen Freitag online veröffentlicht worden, der zweite, “Eltern”, heute. Der dritte und letzte Clip soll am Freitag folgen. Wer sich die Videos anschaut, wird auf einige bekannte Gesichter treffen. So können sich diejenigen, die im vergangenen Jahr die Helen & Melanie-Storyline bei Notruf Hafenkante verfolgt haben, unter anderem über ein Wiedersehen mit “Helen” Dennenesch Zoudé freuen, die im ersten Clip mitspielt. Im dritten und letzten Clip werden u.a. Maren Kroymann, Dunja Hayali und Autorin Carolin Emcke selbst zu sehen sein.

"Tolerant? Sind wir selber" - #1 "Coming Out"

Dennenesch Zoudé und Hiroki Mano in „Tolerant? Sind wir selber“ – aus dem Clip #1 „Coming out“

Die Videos wurden in mehrere Sprachen übersetzt und mit Untertiteln veröffentlicht. Neben der Veröffentlichtung auf YouTube sollen sie ab dem 8. Mai auch in ausgewählten Kinos in Berlin zu sehen sein.

Mehr Infos zu dem Projekt, das von der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützt wird, findet man auf der Webseite der Stiftung: „Tolerant? Sind wir selber“ – Eine filmische Intervention

Videos:

#1: Coming-Out

#2: Eltern

#3: Maskerade

Autor: Meike

Bloggerin aus Leidenschaft, Bachelor im Seriengucken, out and proud since 1998. Ich sehe fern und schreibe darüber. Mehr Infos über die Bloggerin und ihren Blog gibt es hier.

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