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Serien-Tipp: Go On

Diesen Donnerstag startet bei RTL NITRO die Serie Go On. In der amerikanischen Sitcom geht es um den Radiomoderator Ryan (Matthew Perry, Friends), der seine Frau bei einem Autounfall verloren hat. Bevor er ans Mikrofon zurückkehren darf, muss er auf Anordnung der Senderchefs an einer Selbsthilfegruppe teilnehmen. Ryan versucht, die Pflichttermine so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Doch dann bemerkt er, dass er tatsächlich Hilfe benötigt. Widerwillig schließt er sich der Gruppe an, und nach und nach wächst ihm die skurrile Truppe ans Herz.

Ein Mitglied der Gruppe ist die Anwältin Anne (Julie White), die ebenso wie Ryan ihre Frau verloren hat. In den Sitzungen fällt Anne eher durch eine gewisse Schroffheit auf als durch Einfühlsamkeit oder Mitgefühl. Ihr ähnliches Schicksal verbindet sie jedoch auf besondere Weise mit Ryan.

Eine Trauer-Selbsthilfegruppe als Thema einer Sitcom und eine Figur, die auf den ersten Blick wie der Prototyp der wütenden Lesbe wirkt – das klingt eigentlich nicht sehr toll.

Ist es aber.

Die Serie macht sich über die ernsten Themen Verlust und Trauer nicht lustig, sondern behandelt sie respektvoll. Es sind nicht die Gefühle der Figuren, die Gegenstand von Gags und Witzen sind, sondern die Situationen, in die Ryan, Anne und die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gruppe einschließlich der Gruppenleiterin Lauren sich immer wieder bringen, während sie versuchen, irgendwie mit diesen Gefühlen klarzukommen. Die Serie ist daher auch keine Dauerbrüller-Schenkelklopfer-selten-so-gelacht-Komödie, sondern eher gut für die leisen Schmunzler, aber deshalb nicht weniger unterhaltsam.

Was die Figur Anne angeht, kann ich mich nur den Lobeshymnen von AfterEllen-Autorin und Bloggerin Dorothy Snarker anschließen. Anne mag vielleicht nicht die auf Anhieb sympathischste Figur sein, aber es wird sehr schnell deutlich, dass hinter Annes tougher Fassade neben Trauer vor allem Wut und Hilflosigkeit stecken – Wut auf ihre Frau Patricia, die gestorben ist, weil sie vergessen hat, ihre Tabletten zu nehmen, und Hilflosigkeit, weil Anne plötzlich ihre beiden Kinder allein großziehen muss und hierbei immer wieder an ihre Grenzen stößt.

Dass Anne mit einer Frau verheiratet war und mit ihr Kinder hatte, wird zwar thematisiert, aber nicht problematisiert oder immer wieder besonders betont, sondern es ist einfach eine Tatsache. Auch dass Anne weiterhin an Frauen interessiert ist, wird als völlig selbstverständlich behandelt. Das macht die Darstellung der Figur so angenehm. Anne darf im Laufe der ersten und – leider – einzigen Staffel mit Frauen flirten, ihnen hinterherschmachten und sich mit ihnen verabreden und wird dabei ebenso von der Gruppe unterstützt wie Ryan. Auch ihre Trauer um ihre Frau Patricia wird genauso ernst genommen wie Ryans Trauer um seine Frau Janie. Anne und Ryan haben beide ihre große Liebe verloren und machen nun das Gleiche durch – sei es die Frage, ob sie bereit sind für das erste Date mit einer anderen Frau oder gar den ersten Kuss, oder wann es Zeit ist, endgültig den Ehering abzunehmen.

Nicht nur, aber auch deshalb ist Go On meiner Meinung nach eine wirklich sehenswerte Serie und es ist sehr schade, dass der Sender NBC sie nach der ersten Staffel eingestellt hat.

Was die Ausstrahlung bei RTL NITRO angeht, muss ich allerdings eine Einschränkung machen: Da ich sie nur im Original gesehen habe, kann ich nicht beurteilen, ob der Charme der Serie trotz Synchronisation erhalten geblieben ist. Ich hoffe es jedenfalls sehr.

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Autor/in: Meike

Bloggerin aus Leidenschaft, Bachelor im Seriengucken, out and proud since 1998. Ich sehe fern und schreibe darüber. Mehr Infos über die Bloggerin und ihren Blog gibt es hier.

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