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“Bäuerin sucht Frau”: Kann man mögen, muss man nicht

Seit Ende Oktober zeigt RTL neue Folgen seines Erfolgsformats Bauer sucht Frau.

Normalerweise wäre das weitgehend an mir vorbeigegangen, weil mich diese Sendung bisher nicht interessiert hat. Bauern mit und ohne Frauen habe ich in meiner Kindheit und Jugend auf dem Land genug gesehen, die muss ich mir nicht auch noch im Fernsehen anschauen.

Diesmal ist es aber ein wenig anders. Mit der Ostfriesin Lena ist erstmals auch eine Bäuerin dabei, die die Frau fürs Leben sucht. Weiblich sollte sie aussehen, mit einem „attraktiven äußeren Erscheinungsbild“, so hatte Lena im Mai bei der Vorstellung der Kandidatin und Kandidaten für die neue Staffel vor der Kamera ihre Traumfrau beschrieben. An welchen Kriterien Lena das festmachen und wie die Frauen in der Sendung präsentiert werden würden, das hat dann doch mein Interesse geweckt. Immerhin hatte man bei RTL gezielt nach einer lesbischen Kandidatin gesucht, nachdem es in vorherigen Staffeln schon die Variante „Bauer sucht Mann“ mit mehreren schwulen Kandidaten gegeben hatte.

Drei Wochen habe ich jetzt also Bauer sucht Frau geschaut. Und ich glaube, dass es bei diesen drei Folgen auch bleiben wird. Lesben hin oder her, auch nach der dritten Folge kann ich mit dieser Sendung schlicht nichts anfangen. Da können Lena und ihr Auserwählte Janine noch so “flirty” sein (O-Ton Lena) und romantisch im Heu schmusen, abenteuerlustig aus Flugzeugen springen oder Easy Rider-mäßig Kühe mit dem Motorrad zum Melken treiben.

Aber der Reihe nach. Was mich an dieser Staffel von Bauer sucht Frau ja vor allem interessiert hatte, waren die beiden Frauen und wie sie von RTL präsentiert werden würden. Und da gibt es – zumindest bisher – erfreulich wenig zu meckern.

Eine Aneinanderreihung von Klischees und Vorurteilen, wie man sie leider immer noch ab und zu im Fernsehen erlebt, ist zum Glück ausgeblieben, und auch der Fremdschämfaktor hält sich bisher in Grenzen. Bäuerin Lena scheint mit beiden Beinen fest im Leben zu stehen und recht gut zu wissen, was sie will und was nicht. Ihre Auserwählte, die Modedesignerin Janine aus der Schweiz, wirkt zwar etwas zurückhaltender und hatte gerade in den ersten beiden Folgen öfter mal die Frage im Gesicht stehen, ob sie nicht vielleicht doch im falschen Film gelandet ist. Aber sie nimmt es mit Humor und kommt, ebenso wie Lena, recht sympathisch rüber.

Ach ja, und nett anzuschauen sind die beiden auch. Warum das so sein musste, dazu hat der Focus eine Theorie, der ich hier mal nicht widersprechen möchte (“Warum die erste lesbische Bäuerin schön sein muss”, Focus Online). Immerhin scheint man bei RTL bemüht zu sein, das Hauptaugenmerk mehr auf die individuellen Personen zu legen und weniger auf ihre sexuelle Orientierung oder die Tatsache, dass es sich um zwei attraktive junge Frauen handelt. So hat man sich beispielsweise die Alliteration, die sich bei „lesbisch“, „Landwirtin“ und „Lena“ nun wirklich aufdrängt, verkniffen und bezeichnet Lena stattdessen als „patente Jungbäuerin“. Erfreulich ist zudem, dass auch die bisher gezeigten zärtlicheren Momente der beiden nicht so wirkten, als sollten damit voyeuristische Männerfantasien angesprochen werden.

Was aber die Sendung insgesamt angeht, ist mir bisher bei jeder Folge unwillkürlich die Frage durch den Kopf geschossen, was das Ganze eigentlich soll. Oder um es etwas kürzer, quasi im Twitter-Stil auszudrücken: WTF?

Zugegeben, ich habe die Folgen jeweils nicht ganz gesehen. Irgendwann hat mein Finger einfach wie von selbst die Vorspultaste auf der Fernbedienung betätigt. Die Anzahl an “tierlieben Thüringern” und “herzlichen Hessen” mit Stallhasen namens Hansi, die ich auf einmal ertragen kann, ist eben begrenzt, mal ganz abgesehen von der allgegenwärtigen Gefahr einer Überdosis Kuschelrock.

Aber auch die Teile, in denen es nur um Lena und Janine ging, haben schon gereicht, um bei mir – bestenfalls – das ein oder andere Stirnrunzeln auszulösen, und das paradoxerweise gerade weil, wie oben beschrieben, die beiden Damen bisher ganz gut wegkommen. Dass weder Lena noch Janine in Liebesdingen unbedarft oder sonderlich schüchtern zu sein scheinen, hat sich spätestens daran gezeigt, dass sie bereits am ersten Abend geknutscht haben, und bestimmt nicht nur vor der Kamera. Was aber immer wieder die Frage aufwirft, warum ausgerechnet diese beiden meinten, sich von RTL verkuppeln lassen zu müssen?

Auch weil die beiden Damen keine guten Schauspielerinnen sind, drängt sich der Eindruck auf, dass der überwiegende Teil dessen, was vor der Kamera zu sehen ist, wenn nicht gar alles inszeniert und gestellt ist. Nun bin ich nicht so naiv zu glauben, dass es bei Formaten wie Bauer sucht Frau um Authentizität und das echte Leben geht. Ich kann mir zumindest nicht vorstellen, wie man einer Frau eine ernstgemeinte Liebeserklärung machen soll, wenn einem dabei ein Kamerateam auf die Pelle rückt.

Das dürfte aber genau das Problem sein. Um diese Sendung zu mögen, muss man wahrscheinlich entweder all das glauben, was einem da präsentiert wird, oder aber Freude am Fremdschämen empfinden. Und da ich weder einen ausgeprängten Hang zu Naivität noch zu Schadenfreude habe, ist Bauer sucht Frau wohl einfach keine Sendung für mich. Oder anders gesagt: Ich bin nicht die Zielgruppe für Bauer sucht Frau. Lena sei Dank ist das jetzt immerhin ein für allemal geklärt.

Aber auch wenn damit klar ist, dass ich niemals eine glühende Bauer sucht Frau-Anhängerin sein werde, lässt sich zumindest positiv festhalten, dass die aktuelle Staffel einen Beitrag zur Sichtbarkeit lesbischer Frauen im deutschen Fernsehen leistet, ohne dabei Schaden anzurichten. Im Gegenteil: Wer hätte gedacht, dass in einer Sendung voller Heteros ausgerechnet die Lesben mit den besten Eindruck hinterlassen?

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Autor/in: Meike

Bloggerin aus Leidenschaft, Bachelor im Seriengucken, out and proud since 1998. Ich sehe fern und schreibe darüber. Mehr Infos über die Bloggerin und ihren Blog gibt es hier.

2 Kommentare

  1. Ja ich suche ein Bauerin zum heiraten die ich alles mit ihr unternehmen kann
    derzeit bin ich Single ich bin 50 Jahre alt und habe blaue Augen braune lange Harre

  2. Wirklich sehr schön geschrieben. “WTF” habe ich mich auch mehrmals gefragt und bis heute nicht verstanden, was das eigentlich sollte 😉