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“Gute Zeiten, schlechte Zeiten”: Lesbe und Tussi

Bei GZSZ bahnt sich eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen an: Nach einer gemeinsam durchzechten Nacht hat Anni Gefühle für ihre Mitbewohnerin Jasmin entwickelt. Die ist allerdings stockhetero – eigentlich…

Als RTL im Sommer die Figur Anni als Neuzugang bei GZSZ ankündigte, hieß es in der Figurenbeschreibung bereits, dass Anni sich “in ihre Herz-Dame verlieben” würde. Nun ist auch raus, um wen es sich dabei wahrscheinlich handelt: Um Annis Mitbewohnerin Jasmin.

Mit der hat Anni sich zwar ständig in den Haaren, aber als “It-Girl” Jasmin nach einem heftigen Streit mit ihrer Mutter und Stress mit aufdringlichen Reportern Aufmunterung benötigt, ist Anni zur Stelle. Gemeinsam machen die beiden Damen das Berliner Nachtleben unsicher und steigen schließlich in ein Freibad ein. Nach einem spontanen Seelenstriptease vor einer überraschend einfühlsamen Jasmin und einem unfreiwilligen Bad beginnt Anni, Jasmin mit anderen Augen zu sehen – und das, obwohl sie doch eigentlich nicht auf “Tussis” wie Jasmin steht. Als sie jedoch versucht, Jasmin näher zu kommen, macht diese ihr charmant, aber dennoch unmissverständlich klar, dass Anni keine Chance hat, weil sie, Jasmin, eben hetero sei. Schweren Herzens akzeptiert Anni Jasmins Ansage…

Na ja, vorerst. Denn dass die Geschichte zwischen Anni und Jasmin noch lange nicht vorbei ist, davon dürfen wir wohl ausgehen. Und das finde ich auch gut, denn irgendwie gefällt mir das, was ich bisher gesehen habe.

Es ist zwar schade, dass auch den GZSZ-AutorInnen nichts Besseres eingefallen ist als eine weitere Variante der schon zigfach erzählten “Lesbe verliebt sich in Hetera”-Storyline. Die Art und Weise, wie die Geschichte bisher erzählt wird, finde ich allerdings charmant und angenehm unaufgeregt. Anders, als dies in Vorschautexten und Presseveröffentlichungen zum Teil rüberkommt, ist Anni nämlich nicht die aggressiv “baggernde” Lesbe, die Jasmin “vernaschen” möchte, aber bei der standhaften Hetera “abblitzt”. Anni folgt einfach ihrem Gefühl, als sie mit Jasmin tanzt und beginnt, ihren Nacken zu küssen. Und Jasmin ist weder empört noch abgeschreckt, sondern zeigt sich geschmeichelt.

Durch diesen offenen, von gegenseitigem Respekt getragenen Umgang miteinander schaffen es die beiden, dass trotz Annis Annäherungsversuch die Leichtigkeit zwischen ihnen erhalten bleibt, die sich insbesondere in der Schwimmbad-Sequenz gezeigt hat und die einfach nett anzusehen ist. Wie die beiden sich spielerisch immer wieder mit “Lesbe” und “Tussi” beschimpfen, erinnert zwar sehr an einen ähnlichen verbalen Schlagabtausch zwischen “Lesbe” Rosalie und “Landei” Lolle in der Serie “Berlin Berlin”, macht aber dennoch – oder vielleicht sogar deshalb – Spaß.

Das Einzige, das mich wirklich stört, ist die bereits angesprochene Vorgehensweise von RTL, die Storyline in Veröffentlichungen mit teilweise abwertenden Formulierungen zu beschreiben. Dadurch wird unnötig ein negativer Eindruck von der lesbischen Figur Anni erzeugt.

Da kann man nur hoffen, dass sich lesbische Zuschauerinnen hiervon nicht abschrecken lassen und trotzdem einschalten, denn auch in dieser Woche könnte es wieder interessant werden: Nach einem heftigen Streit mit ihrer Mutter, die nicht akzeptieren kann, dass Anni auf Frauen steht, erhält Anni Unterstützung von Jasmin.

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Autor/in: Meike

Bloggerin aus Leidenschaft, Bachelor im Seriengucken, out and proud since 1998. Ich sehe fern und schreibe darüber. Mehr Infos über die Bloggerin und ihren Blog gibt es hier.

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