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“Who wants to f*ck my lesbian girlfriend?”: Leider nicht sehr “goil”

Kaum eine Fernsehsendung hat die Gemüter im Netz in den letzten Wochen so erhitzt wie “Who wants to f*ck my girlfriend?”. Inmitten der Sexismus-Debatte stand plötzlich die Frage im Raum, was Satire darf – und was nicht. Die erste Folge, in der zwei lesbische Paare gegeneinander antraten, warf allerdings eine ganz andere Frage auf: Was will uns diese Sendung eigentlich sagen?

Am vergangenen Donnerstag ist bei Tele 5 “Who wants to f*ck my girlfriend?” gestartet, die neue Sendung von Christian Ulmen. In der als “Reality-Spielshow” deklarierten Sendung, die von der von Ulmen kreierten Kunstfigur Uwe Wöllner moderiert wird, treten jeweils zwei Männer gegeneinander an, die behaupten: “Meine Freundin ist die Geilste – und: Alle möchten mit ihr schlafen.”

Zumindest soll das das eigentliche Konzept der Sendung sein. Wer dies sehen möchte, muss allerdings auch diesen Donnerstag wieder einschalten, denn gleich für die erste Sendung wurde das Konzept umgestoßen. Anstelle von zwei Männern ließen die Produzenten unter dem abgewandelten Titel “Who wants to f*ck my lesbian girlfriend” zwei lesbische Frauen bzw. deren Freundinnen gegeneinander antreten. Im Intro der Sendung hieß es dazu, dies sei nicht nur eine Reaktion auf, sondern sogar ein Dank an die vielen Feministinnen, die die Sendung seit ihrer Ankündigung vor einigen Wochen aufs Schärfste kritisiert, ihr Sexismus vorgeworfen und Tele 5 und ulmen.tv mit einem Shitstorm überzogen hatten.

Kalkulierte Provokation

Das alles ist – zumindest von den Produzenten – nicht wirklich ernst gemeint. In einem Interview mit sueddeutsche.de bezeichnet Ulmen selbst die Sendung als eine “Satire der Formate”. Vorgeführt werden sollten hier nicht die Frauen, die freiwillig an der Sendung teilnähmen, sondern Sendungen wie “Der Bachelor”, die im Grunde mit ähnlichen Konzepten arbeiteten, dafür aber “niedlichere Namen” fänden. Vorgeführt würden zudem insbesondere die Männer, die auf die Frauen reagieren und dabei eine “alltägliche männliche Sexualität mit nahezu grenzdebiler Anmutung” offenbarten. Ulmen räumt in dem Interview ein, dass der Proteststurm einkalkuliert und sogar erwartet worden sei und dass man durchaus unterschiedlicher Meinung sein könne, was Satire dürfe und was zu weit gehe.

Zumindest anhand der ersten Sendung lässt sich diese Frage allerdings auch kaum klären, denn der eigentlich “Aufreger” – Männer, die Frauen lediglich als potentielle Sexualobjekte betrachten – fand hier ja gar nicht statt. Nicht einmal die Variante “Frauen, die anderen Frauen lediglich als potentielle Sexualobjekte betrachten” funktionierte, denn die beiden Kandidatinnen trafen fast ausschließlich auf anscheinend ziemlich heterosexuelle Frauen, die keinerlei Interesse an ihnen zeigten.

Wo geht’s denn hier zur Satire?

In einem Frauen-Café oder auf einer Frauen-Party nachts um zwei wäre das vielleicht anders gewesen. So aber fehlte jede Vergleichbarkeit mit dem angekündigten, ursprünglichen Konzept und die erste Folge ließ zumindest diese Zuschauerin eher ratlos zurück: Was wollte mir diese Sendung eigentlich sagen? Und wer oder was sollte denn hier vorgeführt werden?

Allerhöchstens vielleicht die beiden Frauen, die ihre Freundinnen “losgeschickt” hatten und die zwischenzeitlich beide nicht so wirkten, als seien sie noch davon überzeugt, dass die Teilnahme an dieser Sendung tatsächlich eine gute Idee war. Vielleicht sollte aber auch – ganz unironisch – mit dieser Sendung tatsächlich ein positives Signal an die KritikerInnen gesendet werden. Schließlich wurde schnell deutlich, dass Frauen eben nicht so ohne weiteres mit anderen Frauen ins Bett gehen, selbst wenn diese ihnen schöne Augen machen. So mancher Hetero-Männerphantasie dürfte das einen erheblichen Dämpfer verpasst haben. Oder, um es im Slang eines Uwe Wöllner auszudrücken, das war eben nicht wirklich “goil”.

Kann man mögen, muss man nicht

Nichts Genaues weiß man nicht, und es gilt auch hier, wie bei anderen Sendungen Christian Ulmens, die Devise:  Kann man mögen, muss man aber nicht. Was man seinen Sendungen zugutehalten kann ist allerdings, dass sie üblicherweise nicht so platt sind, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte. In dem Interview mit sueddeutsche.de sagt Ulmen, dass er gern damit spiele, dass die “Satire der Formate erst auf den zweiten oder dritten Blick verstanden wird”.

Ob es sich lohnt, noch eine weitere Folge von “Who wants to f*ck my girlfriend?” zu sehen in der Hoffnung, die Satire dann auch tatsächlich zu verstehen, darf  jede für sich selbst entscheiden.

Wer die erste Folge verpasst hat und jetzt neugierig geworden ist, kann sie sich u.a. auf der Webseite von ulmen.tv ansehen.

Autor/in: Meike

Bloggerin aus Leidenschaft, Bachelor im Seriengucken, out and proud since 1998. Ich sehe fern und schreibe darüber. Mehr Infos über die Bloggerin und ihren Blog gibt es hier.

1 Kommentar

  1. In diesem Fall finde ich den Zweck der Sendung sehr, sehr gut.
    Serien wie der Bachelor etc. sind genauso niveaulos, heißen eben nur anders.
    Sehr gut Herr Ullmen!
    Grüße