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Der Rosalie & Co.-Wochenrückblick (12.12.2010)

Heftiges Geknutsche bei “Verbotene Liebe”, altmodische Klischees beim “Tatort”, und Oprah Winfrey ist immer noch nicht lesbisch – aktuelle News und was uns in dieser Woche sonst noch so bewegt hat.

Bei Verbotene Liebe wurde diese Woche heftig geknutscht. Rebecca hat sich ein Herz gefasst und Miriam im Anschluss an ihre Geburtstagsfeier geküsst, die von diesem Kuss zwar überrascht, aber durchaus angetan war und sogar eingewilligt hat, mit Rebecca auf’s Schloss zu kommen. Dort wurde in der Küche (auf dem Küchentisch!) heftig weitergeknutscht, bis die beiden von Rebeccas Vater gestört wurden.

Der hat zwar von der Knutscherei nichts mitbekommen, aber weil Rebecca sich darüber nicht sicher war, hat sie ihn darauf angesprochen und ihm schließlich ihr Herz ausgeschüttet. Ludwig hat ihr Mut gemacht und gesagt, dass es doch egal sei, ob sie nun einen Mann oder eine Frau liebe, Hauptsache sie sei glücklich. Auch Miriam hat sich von Olli überzeugen lassen, der Sache mit Rebecca eine Chance zu geben, und so geht die Geschichte von “MiriBecca” – erst einmal – weiter…

Eine andere Sendung im Ersten hat sich dagegen in dieser Woche nicht gerade mit Ruhm bekleckert, nämlich der Tatort. Lieber WDR, was war denn bitte das? Ausgerechnet der Tatort aus Köln kommt mit altmodischen Klischees und einem unmotivierten Mord an einer Frau daher, deren Verbrechen allein darin besteht, dass eine andere Frau ihren Mann, ihre Mutter und das Familienunternehmen wegen ihr verlassen hat. Vielleicht sollten Schenk und Ballauf beim nächsten Fall dieser Art doch ihre Kollegin Franziska mitnehmen, die hätte zumindest dem mit Vorurteilen nur so um sich schmeißenden Freddy Schenk bestimmt gehörig die Leviten gelesen. Geschadet hätte es sicher nicht.

Dass es beim WDR auch einen besseren Umgang mit dem Thema Homosexualität bei Frauen geben kann, hat dagegen die Sendung frauTV gezeigt, die uns in dieser Woche einen interessanten Einblick in das Leben lesbischer Muslima verschafft hat. Mehr Infos dazu gibt’s hier.

Und noch etwas kann vielleicht zur Ehrenrettung des WDR herangezogen werden: Dass der Sender mit der Lindenstraße, die heute ihren 25. Geburtstag gefeiert hat, nicht nur die älteste deutsche Soap produziert, sondern auch die Serie mit der dienstältesten Lesbe im deutschen Fernsehen: Tanja Schildknecht (gespielt von Sybille Waury). Die hat sich nämlich seit 1996 (!) nur in Frauen verliebt. Da können wir über die gruselige Storyline vom Anfang, als sie mit ihrer drogensüchtigen Geliebten ihren Ehemann umbringen wollte, auch mal gnädig hinwegsehen…

Auch beim ZDF gab es in dieser Woche lesbische Frauen zu sehen, sogar reale: In der Talkshow von Markus Lanz berichteten zwei Frauen, die jahrelang mit Männern verheiratet waren und Kinder haben, über ihr “Spätes Coming-Out”. Einen Teil des Interviews gibt es in der ZDF-Mediathek zu sehen, mehr Infos zur Sendung auf der offiziellen Webseite.

Oprah Winfrey hat in einem tränenreichen Fernsehinterview mit Barbara Walters, über das sogar Spiegel Online berichtet hat, einmal mehr erklärt, dass sie nicht lesbisch und ihre ständige Begleiterin Gayle King nicht ihre Geliebte ist. Dieses Gerücht hält sich seit Jahren hartnäckig, obwohl Oprah bereits seit fast 25 Jahren mit dem Geschäftsmann Stedman Graham liiert ist und auch Gayle King zwischenzeitlich mit einem Mann verheiratet war.

Besonders heftig wurden die Spekulationen 1997, als Oprah einen Gastauftritt in der Coming-Out-Episode von Ellen hatte. Bereits damals hatte sie erklärt: “I’m not in the closet. I’m not coming out of the closet. I’m not gay.”

Vor einigen Monaten hat sich Autorin und Bloggerin Nele Tabler in einem Beitrag für ihren Blog Karnele mit der Frage beschäftigt, wo genau im Netz sich die lesbischen Bloggerinnen verstecken und warum sie so schwer zu finden sind. Inzwischen hat sie tatsächlich einige gefunden und eine Liste zusammengestellt: “Lesbische Bloggerinnen, Blogs von Lesben”.

Rosalie & Co. und mels blog finden sich dort übrigens auch wieder – besten Dank dafür!

Und hier noch ein Kino- und ein TV-Tipp für den Januar:

Wer es bisher noch nicht geschafft hat, And Then Came Lola zu sehen, der kann das im Januar in Leipzig nachholen, denn dort läuft der Film – der eine Mischung aus Lola rennt und Berlin, Berlin darstellt, eben nur auf lesbisch und amerikanisch – am 5.1.2011 als Eröffnungsfilm der schwul-lesbischen Filmwoche.

Und ab dem 8.1.2011 zeigt Sat1 The Ellen Show, Ellen DeGeneres’ zweite, leider nur sehr kurzlebige Sitcom. Ellen spielt darin Ellen Richmond, eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die aus L.A. in ihren Heimatort in der Provinz reist, um dort einen Preis entgegenzunehmen, und sich spontan entschließt, bei ihrer Familie zu bleiben. Doch die Wiedereingewöhnung gestaltet sich für Ellen nicht so einfach wie gedacht, und dass sie lesbisch ist, ist dabei das geringste Problem…

“The Ellen Show” wurde in den USA erstmals 2001 ausgestrahlt und brachte es leider nur auf eine Staffel. Trotzdem ist sie unter anderem wegen der großartigen Gaststars wie z.B. Betty White (“Golden Girls”) und John Ritter (“Meine wilden Töchter”) nicht nur für Ellen-Fans sehenswert bzw. es wert, dafür den Rekorder zu programmieren, denn Sat1 hat die Serie blöderweise ins Nachtprogramm verfrachtet.

Als Video(s) der Woche gibt’s einen kleinen Vorgeschmack auf beide Tipps:

(Eine der besten “The Ellen Show”-Folgen gibt’s auch auf YouTube zu sehen: Missing The Bus mit der großartigen Betty White.)

Autor/in: Meike

Bloggerin aus Leidenschaft, Bachelor im Seriengucken, out and proud since 1998. Ich sehe fern und schreibe darüber. Mehr Infos über die Bloggerin und ihren Blog gibt es hier.

4 Kommentare

  1. man kann ja über das storyline diskutieren, aber ich fand jasmin und romina wirklich gut, in der umsetzung.
    was soll man zum alten “ludwig” sagen, solche reaktion des vaters, wünscht sich jede tochter; wenn ich da an arno oder johannes denke.

    für alle die von miribecca nicht genung kriegen 😉 gibt es neben der fanarbeit auf youtube, nun folgendes:
    http://fyeahmiriamandrebecca.tumblr.com/post/2189572105/10-reasons-why-miriam-and-rebecca-are-such-a-great-idea

  2. Ich fand Rebecca und Miriam jetzt auch ganz niedlich. Also solche Geschichten waren schon deutlich schlimmer inszeniert. Ich muss ja zugeben dass ich zuerst verwundert war wie schnell Rebecca vorgeprescht ist … aber dann hat sie ja doch den Rückzieher gemacht. Aber wieso man unbedingt den harten Küchentisch im kalten ziemlich öffentlichen Schlosskeller nehmen muss …

  3. Der “Marienhof” wird ja nund tatsächlich 2011 abgesetzt, und “VL” darf dann 45 min senden; soll in neuem Look und mit neuer dramaturgie erscheinen. Für mich klingt das alles danach, als ob sich die ARD ne dritte Telenovel leistet.

    Ich bin nicht begeistert davon, ist die “VL” eine Soap (deshalb habe ich geschaut) und keine Telenovela. (Dabei sei unbestritten, dass “Sturm der Liebe”, für die ARD ein ziemlicher Erfolg ist.)
    Ob für lesbische und schwule Geschichten, dann noch Platz, ob die ins neue Konzept passen… ich wage es jetzt schon zu bestreiten.

  4. Ich finde die Idee, VL auf 45 Minuten pro Folge zu verlängern, auch nicht so prickelnd und teile deine Skepsis, was die Stories angeht, falls VL tatsächlich einer der anderen Telenovelas angenähert werden sollte, denn da finden lesbische und schwule Storylines ja bisher nicht wirklich statt. Mal abwarten.

    Ein bißchen schade ist es auch um Marienhof, eine ganze Weile habe ich das sogar geguckt, natürlich insbesondere während der Billi & Andrea-Zeit. Durch die Kerstin & Juliette-Storyline habe ich mich allerdings eher durchgequält, so dass ich auch verstehen kann, wenn in letzter Zeit die Zuschauer weggeblieben sind. Aber ein Vorabend in der ARD ohne Inge Busch? Kaum vorstellbar.

    P.S. Ich verlagere die Diskussion zu Marienhof und Verbotene Liebe XL mal ins Forum: Aus für “Marienhof”, mehr Sendezeit für “Verbotene Liebe”