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Abschied von „AfterEllen“: Das Ende einer Ära

Was das Aus des Onlineportals „AfterEllen“ für die lesbische Community, aber auch für mich selbst als Leserin und als Bloggerin bedeutet.

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(Bild: AfterEllen.com)

Der vergangene Dienstag war ein rabenschwarzer Tag für Fans lesbischer Popkultur. Trish Bendix, Chefredakteurin von AfterEllen, dem führenden Onlineportal für News und Berichte über lesbische, bisexuelle, queere Frauen im Entertainmentbereich und den Medien, verkündete in einem Beitrag auf ihrem privaten Tumblr-Blog, dass die Seite nach 14 Jahren zum Ende der Woche ihre Tore schließen würde. Zwar blieben alte Inhalte abrufbar, es werde jedoch keine feste Redaktion und damit keine regelmäßigen Artikel mehr geben. Der Grund für die Schließung sei, wie so oft, das Geld. Den aktuellen Eigentümern sei die Seite nicht profitabel genug und sie wollten nicht weiterhin in sie investieren.

Die Bedeutung von AfterEllen

Auch ich war von dieser Nachricht bestürzt. Ich habe AfterEllen fast von Anfang an gelesen. Wie so viele Leserinnen der ersten Stunde habe ich jeden Freitag ungeduldig auf die Veröffentlichung der „Best. Lesbian. Week. Ever.“ gewartet, der Kolumne, in der die Gründerin der Seite, Sarah Warn, Neuigkeiten über lesbische und bisexuelle Frauen im Entertainmentbereich und den Medien zusammengefasst hatte. Es waren Sarah Warns kluge, kritische Analysen der Darstellung lesbischer Figuren und der Liebe zwischen Frauen in Serien und Filmen, die mein Interesse an dem Thema geweckt und mich letztlich dazu gebracht haben, selbst auf einem Blog darüber zu schreiben. Rosalie & Co. wurde durch AfterEllen inspiriert. Und dank einiger Verlinkungen bei AfterEllen wurden meine Texte auch gefunden, von deutschen wie auch internationalen Leserinnen. Ich verdanke AfterEllen viel. Und auch wenn ich mich in den letzten Jahren aus diversen Gründen häufiger über die Seite geärgert habe und sie für mich an Bedeutung verloren hat, hätte ich nie gedacht, dass es sie irgendwann in dieser Form nicht mehr geben würde. Das ist ein herber Verlust nicht nur für hunderttausende Leserinnen weltweit, sondern auch für die Vielfalt in der Medienlandschaft allgemein. AfterEllen hat dazu beigetragen, lesbische, bisexuelle, queere Frauen in den Medien sichtbarer zu machen, und wenn es heute 44 lesbische Figuren in aktuellen Serien im US-Fernsehen gibt, dann ist das auch mit ein Verdienst von AfterEllen, in deren Berichterstattung die Wichtigkeit einer solchen Sichtbarkeit immer wieder unterstrichen und beharrlich betont wurde.

Dass eine beliebte Seite wie AfterEllen mit einer solchen Reichweite nicht ausreichend profitabel war, und zwar auch, wie in einigen Beiträgen zum Thema zu lesen war, weil lesbische und bisexuelle Frauen als Zielgruppe für potenzielle Werbekunden nicht attraktiv genug sind, wirft zudem die Frage auf, wie solche Inhalte überhaupt in Zukunft finanziert werden können. Auch ich habe in den vergangenen Tagen viel darüber nachgedacht, was das Aus von AfterEllen für Rosalie & Co. bedeutet.

Unterstützung aus der Community

Das Team von Autostraddle hat darauf eine Antwort gefunden, die zukunftsweisend sein könnte. Sie setzen auf die Community, die Nutzerinnen. Neben Werbung und sogenannten Affiliate Links – also Links zu Produkten, die auf der Seite besprochen werden, beispielsweise DVDs bei Amazon – gibt es bezahlte Inhalte, Merchandising und regelmäßige Treffen für die Community. Es wird sich zeigen, wie erfolgreich dieses Modell auf Dauer ist. In den vergangenen Tagen ist die Anzahl der Abonnentinnen allerdings bereits deutlich gestiegen. Der Schock über das Aus von AfterEllen dürfte vielen Nutzerinnen vor Augen geführt haben, wie wichtig es ist, Angebote für lesbische, bisexuelle, queere Frauen auch finanziell zu unterstützen, wenn man sie auf Dauer erhalten möchte.

Meine Antwort sieht etwas anders aus. Ich habe mich schon vor einiger Zeit von der Vorstellung verabschiedet, mit Rosalie & Co. Geld zu verdienen. Es war immer klar, dass das mit Werbung schwierig werden würde. Wenn, dann sollte es Werbung sein, die zur Zielgruppe passt, und zwar spezifisch für frauenliebende Frauen und nicht allgemein die LGBTI*-Community. Ich wollte die Seite auch nicht mit Bannern und Pop-up-Fernstern zupflastern, was zum Beispiel etwas war, das mich in den letzten Jahren bei AfterEllen massiv gestört hat. Zudem hat eine deutschsprachige Seite, die sich an ein Nischenpublikum wendet, ohnehin kaum eine Chance, eine Reichweite zu erlangen, die sich finanziell auszahlen könnte.

Dass ich dennoch weiterblogge, hat viel damit zu tun, warum ich ursprünglich mal mit dem Bloggen angefangen habe: Weil es mir Spaß macht und weil ich die Themen, über die ich schreibe, wichtig finde. Gerade der Aufschrei über das Aus von AfterEllen hat mir gezeigt, dass es immer noch einen Bedarf gibt für Blogs wie Rosalie & Co. Und es ist zum Glück auch nicht so, dass es mir gar nichts gebracht hätte, ganz im Gegenteil. Ich habe in den letzten Jahren mit Rosalie & Co. auf anderen Ebenen viel erreicht, für das ich dankbar bin. Ich habe interessante Kontakte knüpfen können, durfte tolle Menschen kennenlernen, spannende Situationen erleben und es haben sich sogar einige Träume erfüllt. Trotzdem würde natürlich auch ich mich über weitere Unterstützung aus der Community freuen. Die kann finanzieller Natur sein, z.B. in Form einer Spende über PayPal. Aber auch ein „Like“ bei Facebook, ein Retweet bei Twitter oder ein Kommentar auf dem Blog selbst sind als Form der Anerkennung und Wertschätzung immer gern genommen.

Ein spürbarer Verlust

Wie groß die Lücke ist, die das Aus von AfterEllen in die Berichterstattung über frauenliebende Frauen in der Popkultur reißt, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen. Anders als 2002, als Sarah Warn die Seite ins Leben rief, wird inzwischen auch in Mainstreammedien häufiger über lesbische, bisexuelle, queere Frauen im Entertainmentbereich berichtet. Hierzu hat sicherlich auch das Coming-out prominenter Frauen wie Jodie Foster und Ellen Page beigetragen. Zudem gibt es Seiten wie eben Autostraddle, die über ähnliche Themen berichten wie AfterEllen.

Dennoch wird der Verlust von AfterEllen spürbar sein. Es ist das Ende einer Ära.

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Autor/in: Meike

Bloggerin aus Leidenschaft, Bachelor im Seriengucken, out and proud since 1998. Ich sehe fern und schreibe darüber. Mehr Infos über die Bloggerin und ihren Blog gibt es hier.

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