Permalink

2

Die unerträgliche Leichtigkeit der Portia de Rossi

Schauspielerin Portia de Rossi (Ally McBeal, Better Off Ted) hat ein Buch geschrieben, in dem sie ihren Kampf gegen die Magersucht schildert. In ausführlichen Interviews mit Oprah Winfrey und ihrer Frau Ellen DeGeneres hat sie jetzt über die Hintergründe ihrer Krankheit gesprochen und verraten, was es war, das sie letztendlich gerettet hat: Liebe.

„Love saves you.

„Love really does heal you.“ Das Interview neigte sich bereits seinem Ende entgegen, als dieser Satz fiel, und nicht nur Portia de Rossi kämpfte in diesem Moment sichtlich mit den Tränen, sondern auch so manche Zuschauerin.

Eine ganze Sendung widmete Oprah Winfrey Anfang der Woche dem Gespräch mit Portia, und in dieser Stunde führte die Schauspielerin Zuschauer und Moderatorin durch die dunkelste Phase ihres Lebens – eine Zeit, die ironischerweise eigentlich die beste ihres Lebens hätte sein sollen.

1998 erhielt die damals 25jährige eine Rolle in einer der beliebtesten und erfolgreichsten US-Fernsehserien der 1990er Jahre, Ally McBeal. Plötzlich war die kleine Amanda Rogers aus Australien – die schon mit 15 Jahren offiziell ihren Namen in Portia de Rossi änderte, um sich von einem Mädchen im gleichen Alter und mit demselben Namen zu unterscheiden – ein Star und spielte mit in der Liga der hochbezahlten Hollywood-Schauspielerinnen.

Doch mit dem Geld und dem Ruhm kamen die Unsicherheit und die Angst – Angst davor, dem Schönheitsideal Hollywoods und damit den (vermeintlichen) Ansprüchen ihres Jobs nicht zu genügen, vor allem jedoch Angst, dass die Öffentlichkeit von ihrem bislang wohlgehüteten Geheimnis erfahren könnte: dass sie Frauen liebt. Denn Ende der 1990er Jahre konnte ein Coming Out in Hollywood das Ende der Karriere bedeuten, was Portia – Ironie des Schicksals – ausgerechnet am Beispiel ihrer späteren Frau Ellen vor Augen geführt wurde, die nach ihrem spektakulären Coming Out im Jahr 1997 ihre Serie Ellen verlor und lange Jahre Schwierigkeiten hatte, überhaupt Arbeit zu finden.

Schonungslos offen und ehrlich sprach Portia über diese Zeit, darüber, was sie gegessen oder eben auch nicht gegessen und wie sie das wenige wieder erbrochen hat, um ja nicht zuzunehmen, um bloß auch jedes letzte Gramm Fett an ihrem Körper zu verlieren. Immer wieder lasen sowohl sie als auch Oprah Winfrey Auszüge aus ihrem Buch vor, das Portia bewusst ohne fremde Hilfe und vor allem nicht rückblickend, sondern aus der Sicht der Frau geschrieben hat, die sie damals war: abgemagert, krank, todunglücklich und dennoch überzeugt, das Richtige zu tun.

Aber Portia erzählte auch, was es war, das sie letztlich zum Umdenken gebracht hat, und was es ist, das heute dafür sorgt, dass es ihr auch weiterhin gut geht: Liebe.

Zum einen die Liebe ihrer Familie, die, als Portia sich schon auf ein Körpergewicht von unter 40 kg heruntergehungert hatte, schließlich intervenierte und ihr vor Augen führte, dass sie sterben könnte, wenn sie weiter Raubbau an ihrem Körper betreibt.

Und zum anderen die Liebe ihrer Frau Ellen, die sie so akzeptiere, wie sie sei und schon bei ihrem ersten Kennenlernen etwas in ihr gesehen habe, dass sie selbst nie habe sehen können und das sie erst langsam erkenne.

„Cause you’re amazing just the way you are“

Und diese Liebe konnte gar nicht deutlicher sichtbar werden als während Portias Interview mit Ellen selbst, das gestern in den USA ausgestrahlt wurde.

Nicht nur, dass Ellen Portia passenderweise mit dem Lied Just The Way You Are von Bruno Mars begrüßte (Refrain: „When I see your face, there’s not a thing that I would change, ‚cause you’re amazing just the way you are“), auch während des Interviews waren es nicht nur die sehr liebevollen Worte, die sie füreinander hatten, sondern auch Gesten und Körpersprache, die zeigten, wie nahe diese beiden Frauen sich sind und wie sehr sie einander lieben.

Immer wieder hielten sie einander während des sehr emotionalen Gesprächs an den Händen oder legte Ellen Portia die Hand aufs Knie, nicht nur um Portia zu trösten und ihr Kraft zu geben, sondern um auch selbst durch die Berührung Halt zu finden. Denn was Portia erzählte und all die Abgründe und insbesondere der Selbsthass, den ihre Schilderungen enthüllten, war auch für Ellen sichtlich schwer zu ertragen.

Portia redete aber nicht nur über die Krankheit und wie es dazu kommen konnte, sondern erzählte auch, wie das Schreiben des Buches ihr geholfen habe, andere Traumata in ihrem Leben zu überwinden, insbesondere den frühen Tod ihres Vaters, der starb, als Portia gerade 9 Jahre alt war.

Und nachdem sie in diesem Zusammenhang ihrer Frau scherzhaft vorgeworfen hatte, sie zum Weinen gebracht zu haben, war es eine Liebeserklärung von Portia, die Ellen fast zu Tränen rührte, als Portia nämlich davon sprach, wie sehr sich ihre Einstellung zum Leben durch die Beziehung mit Ellen verändert habe.

Portia: „You promised you wouldn’t make me cry!“
Ellen: „I didn’t promise that“

Portia: „Ellen has completely changed the way I look at life“

Wie Portia schon zu Oprah gesagt hatte: „Love saves you.“

Und wie mutig und bewundernswert von ihr, dass sie uns so an ihrer Geschichte und dieser Liebe teilhaben lässt.

Portias Buch „Unbearable Lightness: A Story of Loss and Gain“ ist Anfang der Woche in den USA erschienen und kann in Deutschland u.a. über Amazon bestellt werden.

Bildquellen: The Oprah Winfrey Show, The Ellen DeGeneres Show / Screencaps: Rosalie & Co.

Autor/in: Meike

Bloggerin aus Leidenschaft, Bachelor im Seriengucken, out and proud since 1998. Ich sehe fern und schreibe darüber. Mehr Infos über die Bloggerin und ihren Blog gibt es hier.

2 Kommentare

  1. Pingback: Das Buchhörnchennest » Kurz und knapp und knackisch #5

  2. Inzwischen gibt es Portias Buch auch auf Deutsch. Titel: „Das schwere Los der Leichtigkeit“.

    http://www.amazon.de/Das-schwere-Los-Leichtigkeit-eigenen/dp/3868822380/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1331044319&sr=1-1

    Ich habe es übrigens inzwischen gelesen (allerdings auf Englisch) und kann es wirklich sehr empfehlen. Ist zwar keine leichte Kost, weil sie wirklich sehr schonungslos beschreibt, was sie sich selbst und ihrem Körper angetan hat, aber sehr gut geschrieben und lesenswert. Und zum Glück gab es für sie, wie wir alle wissen, ja auch ein Happy End. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.