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„Straight to your heart“: Abschied von „Verbotene Liebe“

Aus und vorbei. Am vergangenen Freitag lief in der ARD die allerletzte Folge von Verbotene Liebe.

Nach über 20 Jahren heißt es nun Abschied zu nehmen von den Intrigen der Schönen und Reichen in Düsseldorfs Adelskreisen, von Schloss Königsbrunn und dessen Bewohnerinnen und Bewohnern, aber auch von all den anderen Locations und Figuren, an die man sich im Laufe der Jahre gewöhnt hat. Und ehrlich gesagt finde ich das schade. Nicht nur, aber insbesondere auch, weil in Verbotene Liebe regelmäßig lesbische Figuren und Liebesgeschichten zwischen Frauen gezeigt wurden – etwas, das in deutschen Serien leider immer noch viel zu selten zu finden ist.

Was mich persönlich im Laufe der Jahre mit Verbotene Liebe verbunden hat, welche Rolle die Serie in meinem Leben gespielt hat, habe ich schon vor einigen Wochen mal aufgeschrieben, als sich angesichts der immer weiter sinkenden Quoten schon erahnen ließ, dass bald Schluss sein würde. Mein Text über „Die lesbische Soap-Gräfin Carla & Co.“ ist Teil eines Sammelbandes, der vergangene Woche als eBook veröffentlicht wurde.

ISBN 978-3-944543-24-6

ISBN 978-3-944543-24-6

Für Straight to you heart: Verbotene Liebe. 1995 – 2015 haben Stefan Mesch und Nikola Richter als Herausgeber bzw. Herausgeberin nicht nur Beiträge von Fans sowie Zuschauerinnen und Zuschauern zusammengetragen, sondern lassen auch Schauspielerinnen und Schauspieler zu Wort kommen, die im Laufe der Jahre Teil der Serie waren, unter ihnen Tatjana Kästel alias „Rebecca von Lahnstein“ und Raphaela Dell alias „Erika Brandner“. Dazu gibt es viele Hintergrundinformationen zum Beispiel von Drehbuch-Autor Tom Chroust, dem „Erfinder“ von „Chrolli“, eine ausführliche VL-Chronik, Bilder, Links und vieles mehr.

Das Buch kann man u.a. bei Amazon, iTunes und minimore (hier auch als PDF) käuflich erwerben, mehr Infos gibt es auf der Verlagsseite. Mein – zugegeben etwas subjektives – Urteil: Lohnt sich!

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Vom „schlüpfrigen Geständnis“ bis zur „Lesben-Beichte“ – Wie deutsche Medien diese Woche über Cate Blanchett berichtet haben

Anfang der Woche ging ein entzücktes Raunen durch meine Social Media Timelines: Die Schauspielerin Cate Blanchett hatte in einem Interview mit der Zeitschrift Variety gesagt, dass sie schon Beziehungen mit Frauen hatte, und zwar nicht nur einmal, sondern oft.

Anlass des Interviews war der Film Carol, der am Sonntag beim Filmfestival in Cannes Premiere feiern wird. Cate Blanchett verkörpert darin die Titelfigur, die sich in eine andere Frau verliebt. Und wie immer, wenn eine vermeintlich heterosexuelle Frauen eine lesbische Rolle spielt, wurde auch dieses Detail in dem Interview beleuchtet – in diesem Fall jedoch mit für den Journalisten überraschendem Ausgang:

„When asked if this is her first turn as a lesbian, Blanchett curls her lips into a smile. ‚On film — or in real life?‘ she asks coyly. Pressed for details about whether she’s had past relationships with women, she responds: ‚Yes. Many times,‘ but doesn’t elaborate. Like Carol, who never ‚comes out‘ as a lesbian, Blanchett doesn’t necessarily rely on labels for sexual orientation.“

So weit, so schön für Cate Blanchett. Und weil sie nicht weiter ausführt, wie, wann, was und mit wem, hätte man annehmen können, dass das Thema wenig hergibt für große Schlagzeilen.

Falsch gedacht. Denn das bisschen, was Cate Blanchett in dem Interview sagt, reichte schon, um die Redaktionen vieler Mainstreammedien in Wallung zu versetzen. Mit der Art und Weise ihrer Berichterstattung offenbarten sie, in welchen Schubladen in den Medien noch immer gedacht und mit welchen Vorurteilen dem Thema der sexuellen Orientierung noch immer begegnet wird.

„Schlüpfrige Lesben-Beichte“

Am auffälligsten war dabei die Fokussierung auf das Thema Sex. Nicht nur bei der Gala war von „Sex mit Frauen“ die Rede, auch andere Zeitungen und Zeitschriften wie BILD, Stern und TV Movie sprangen auf diesen Zug auf. Dabei hatte Blanchett selbst nur von Beziehungen mit Frauen gesprochen, was aber wohl reichte, um das Kopfkino der Redakteure auf Touren zu bringen und sich den Rest dazuzudichten. Bei der Bunte wurde gar der ganze Artikel mit dem Schlagwort „Sex“ versehen. Dort wollte man aus dem Interview „das ein oder andere schlüpfrige Detail“ aus Blanchetts Vergangenheit herausgelesen haben, was sich dann aber darauf beschränkte, dass sie „schon mit Frauen im Bett“ war. Was genau daran nun eigentlich so „schlüpfrig“, also unanständig ist, ließ die Bunte-Redaktion lieber offen.

Auch mit den Bezeichnungen taten sich manche schwer. Nun hatte es Frau Blanchett ihnen auch nicht leicht gemacht, indem sie sich – wie das obige Zitat zeigt – den etablierten Labels verweigerte. Was vielleicht ein Hinweis hätte sein können, dass es auch ohne eben solche gehen kann. Einigen Redaktionen fiel immerhin ein, dass es neben Hetero- und Homosexualität auch so etwas wie Bisexualität gibt. Der BILD-Zeitung war aber wohl schon das zu kompliziert, dort wurde die Meldung mit der knackigen Überschrift „Lesben-Beichte von Cate Blanchett“ versehen und in der Kategorie „Homosexualität“ veröffentlicht.

Nicht so hetero wie gedacht? Skandal!

Was in der Berichterstattung immer wieder durchklang war die Andeutung, Cate Blanchett habe etwas Verbotenes, Skandalöses getan. In vielen Artikeln finden sich Worte wie „Geständnis“, „brisant“ oder „pikante Details“, ganz zu schweigen von dem schon erwähnten „schlüpfrig“. Dabei stellt sich die Frage, was genau an Cate Blanchetts Aussage eigentlich so skandalös ist. Denn die Tatsache, dass eine Frau – vielleicht – mit Frauen geschlafen hat, ist ja heute eigentlich kaum noch eine Meldung wert. Hätte beispielsweise Jodie Foster in einem Interview dasselbe gesagt, hätten die meisten Medien dies wohl wenn überhaupt nur am Rande erwähnt.

„Brisant“ wird das, was Cate Blanchett in dem Interview gesagt hat, eigentlich nur, weil sie mit einem Mann verheiratet ist – seit 18 Jahren, wie man mehr als einmal lesen konnte – und damit automatisch in die Kategorie „heterosexuell“ eingeordnet wurde. Dass die Frau nicht so hetero ist wie angenommen und dass man ihr das nicht ansehen konnte, löst Verunsicherung aus und den Reflex, darin etwas „Schlüpfriges“ zu sehen, etwas Unanständiges, das irgendwie nicht ganz in Ordnung ist.

Cate Blanchett hat mit ihrer kurzen Aussage entlarvt, wie hilflos manche Medienleute heute noch reagieren, wenn deutlich wird, dass die gedanklichen Schubladen in Bezug auf die sexuelle Orientierung, mit denen man lange so schön arbeiten konnte, inzwischen zu eng geworden sind und manche Leute sich partout nicht darin einordnen lassen wollen. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob ihre „Enthüllung“ vor allem deshalb erfolgt sein sollte, um den Film Carol zu promoten, wie nun manche behaupten.

Der Film soll übrigens Anfang 2016 in die Kinos kommen – vielleicht ja genug Zeit, um die Redaktionen bis dahin mal von den alten Schubladen zu entrümpeln.

Link:

Update (23.5.15): Während einer Pressekonferenz vergangenes Wochenende in Cannes hat Cate Blanchett erklärt, dass sich ihre Äußerung tatsächlich nicht auf sexuelle Beziehungen bezogen habe. Sie sei diesbezüglich falsch zitiert worden.


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Serien-Tipp: Orange Is the New Black

Heute in einem Monat, am 12. Juni, wenn der Video on Demand-Service Netflix die dritte Staffel der Serie Orange Is the New Black (OITNB) veröffentlicht, werden überall auf der Welt Fans vor ihren Fernsehern und Laptops kleben und so viele Folgen am Stück schauen, wie ihre Augen/Nerven/Partner_innen/Mitbewohner_innen es zulassen. Und ich werde eine von ihnen sein.

Es hat ein bisschen gedauert, bis auch ich auf den OITNB-Zug aufgesprungen bin. Dabei bekam ich schon vor knapp zwei Jahren den ersten Tipp zu der neuen Frauenknastserie aus den USA, die aber irgendwie doch ganz anders sei als die Frauenknastserie, die wir kennen. Als ich dann letztes Jahr endlich anfing zu gucken, wurde mir schnell klar, warum OITNB so viele Anhänger hat: Die Serie ist nicht nur toll erzählt, mit interessanten und vor allem ungewöhnlichen Figuren und Geschichten, sondern sie enthält neben dramatischen Szenen immer wieder auch viel Humor und macht deshalb Spaß zu gucken.

Die Hauptfigur von Orange Is the New Black ist Piper Chapman (Taylor Schilling), eine weiße Mittelschichtsfrau Anfang 30. Piper lebt zusammen mit ihrem Verlobten Larry (Jason Biggs) in New York und hat gerade mit ihrer besten Freundin Polly ein kleines Unternehmen gegründet, als sie von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. 10 Jahre zuvor hatte Piper für ihre damalige Freundin Alex Vause (Laura Prepon), eine Drogenschmugglerin, einen Koffer mit Drogengeld transportiert. Für dieses Vergehen wird sie zu 15 Monaten Haft verurteilt und landet im Frauengefängnis Litchfield. Dort muss sie sich nicht nur mit ihren Mitinsassinnen arrangieren, Frauen aus völlig unterschiedlichen sozialen Schichten, unterschiedlichen Lebenssituationen und mit unterschiedlicher Hautfarbe, sondern auch mit den Regeln des Gefängnislebens. Zu allem Überfluss tritt auch Alex wieder in ihr Leben und Piper ist bald hin- und hergerissen zwischen der Sehnsucht nach ihrem Verlobten Larry und den wieder aufgeflammten Gefühlen für Alex.

Obwohl der Ausgangspunkt der Serie die Geschichte um Piper ist, nehmen sich die Serienmacherinnen viel Zeit, auch die anderen Figuren, insbesondere Pipers Mitinsassinnen, zu entwickeln. Mittels Rückblenden wird erzählt, was die jeweilige Figur geprägt und letztlich dazu geführt hat, dass sie irgendwann in Litchfield gelandet ist. Das macht die Figuren sympathisch (meistens jedenfalls), vor allem aber interessant, weil sie mehr sind als bloße Stereotypen. Ein großes Plus der Serie ist dabei das großartige Ensemble mit vielen ganz unterschiedlichen, aber durch die Bank hervorragenden Schauspieler_innen.

Was könnte im Hinblick auf Orange Is the New Black sonst noch wissenswert sein? Vielleicht dass

  • die Serie auf dem Buch Orange Is the New Black: My Year in a Women’s Prison von Piper Kerman und damit auf einer wahren Begebenheit basiert,
  • Natasha Lyonne, den meisten wahrscheinlich bekannt als Megan aus But I’m a Cheerleader, in OITNB erneut eine lesbische Rolle spielt,
  • Jodie Foster in je einer Episode der ersten und der zweiten Staffel Regie geführt hat,
  • Kate Mulgrew alias „Captain Janeway“ aus Star Trek – Raumschiff Voyager in der Serie ebenfalls dabei ist, und zwar in der Rolle der Gefängnisköchin „Red“,
  • es neben Alex und Piper natürlich weitere lesbische Romanzen und sexuelle Beziehungen zwischen Frauen zu sehen gibt, u.a. sogar einen Wettkampf zwischen Nicky und Big Boo (Lea DeLaria), welche von ihnen die meisten Frauen „flachlegen“ kann,
  • Autorin Lauren Morelli während der Arbeit an OITNB erkannt hat, dass sie lesbisch ist, sich von ihrem Mann getrennt hat und nun mit „Poussey“-Darstellerin Samira Wiley zusammen ist,
  • Schauspielerin Uzo Aduba für ihre Rolle als Pipers Verehrerin „Crazy Eyes“ mit einem Emmy und einem SAG Award ausgezeichnet wurde.

Wer die Serie bisher nicht kennt und jetzt neugierig geworden ist, sollte sich ganz schnell einen Netflix-Account zulegen und bis zum 12. Juni die Staffeln 1 und 2 nachholen, wenn möglich im Original. Für diejenigen, die schon Fans sind, gibt es bei AfterEllen einige Bilder aus Staffel 3 und weiter unten den Trailer dazu.

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Vor 15 Jahren, im April 2000, habe ich meine allererste Webseite online gestellt, eine deutsche Ellen DeGeneres-Fanseite, die damit ein bisschen so etwas wie die Vorgängerin von Rosalie & Co. ist.

eplogo1Zum Jubiläum habe ich mal aufgeschrieben wie alles begann und was fast dazu geführt hätte, dass es zu diesem Jubiläum gar nicht mehr kommt.

In eigener Sache: 15 Jahre | ellen-forum.de

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Lesben in Serie: Block B, GZSZ, The Team u.a.

Bei RTL gibt es wieder einen Frauenknast, Anni & Jasmin haben Beziehungsstress und dank der europäischen Koproduktion The Team durfte kürzlich auch im ZDF mal eine lesbische Kommissarin ermitteln. Außerdem: Gedanken und Infos zu One Big Happy, Pretty Little Liars, Orange Is the New Black u.a.

Block B – Unter Verdacht

Ganz neu und anders sollte sie sein, die neue Frauenknast-Serie bei RTL. Härter, schonungsloser, radikaler, ein „Frauenknast next generation“ (n-tv), so war es in den Ankündigungen zu lesen. Eben mehr als einfach nur „Hinter Gittern – Reloaded“. Aber wie neu und anders kann eine Serie sein, wenn sie sich in weiten Teilen an ein existierendes Format anlehnt? Zum Start der Serie Anfang März stellten viele Kritiker, u.a. bei DWDL und Serienjunkies, jedenfalls fest, wie ähnlich Block B – Unter Arrest der australischen Serie Wentworth ist, bis hin zu Namen und Outfit der Insassinnen. Besonders innovativ wirkt das nicht.

Doch selbst wenn man davon ausgeht, dass die durchschnittliche RTL-Zuschauerin Wentworth wahrscheinlich nicht kennt, ist das, was RTL und UFA Serial Drama uns da als toll und neu verkaufen wollen, leider nicht sehr originell. Da helfen auch keine bekannten Gesichter wie die von Katrin Sass, Nina Hoger und Claudia Michelsen im Cast der Serie, wenn bei den Figuren jeweils nur an der Oberfläche gekratzt wird, man einer wirklichen Figurenentwicklung aber leider keinen Raum gibt. Stattdessen wird mit schnellen Schnitten und Wackelkamera zur nächsten, ziemlich vorhersehbaren Geschichte hetzt. Das gilt auch und gerade für die obligatorische Knastlesbe Chris und die sich anbahnende Liebesgeschichte mit der Anstaltsleiterin Ariane. Die Lesbe ist tough und provokativ, nicht zu vergessen tätowiert, die Anstaltsleiterin ehrgeizig, zugeknöpft und irgendwie zwar nicht mehr so ganz glücklich mit ihrem Dauerverlobten, aber es ist eben wie es ist. Bevor man es wagt, seine geheimsten Wünsche auszuleben, tut es für den ärgsten Druck halt auch mal der Typ, der sowieso im Bett neben einem liegt. Ja, doch, total innovativ. Insbesondere das mit dem unmotivierten Heterosex hat man im Rahmen einer eigentlich lesbischen Liebesgeschichte auch wirklich noch nie gesehen. *seufz*

Jemand hätte RTL und UFA Serial Drama außerdem gern daran erinnern dürfen, dass sie das Klischee der toughen, tätowierten Lesbe gerade schon bei GZSZ eingesetzt haben. Und am besten gleich noch daran, dass die Knastlesbe bei Hinter Gittern auch Christine hieß. Oder sollte das eine versteckte Hommage an „Walter“ sein? Dann hätte man auch gleich das Original zurückbringen können. Da hätten wahrscheinlich alle mehr von.

GZSZ

Vor einigen Wochen bekam ich eine leicht panische Nachricht von einer Freundin. Ob ich schon die neuesten GZSZ-Spoiler gelesen hätte. Die mit Anni und – nein, nicht Jasmin, sondern mit John. Im Bett.

Hatte ich. Und teilte das ungute Gefühl. Die würden doch wohl nicht…?

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Erinnerungen an „Hand aufs Herz“, oder: Wie aus Oregano eine Doktorarbeit wurde

Erinnert ihr euch noch an diese Daily Soap, die vor vier Jahren mal auf einem deutschen Privatsender lief? Hand aufs Herz hieß sie, es ging um Schule, Musik und vor allem um die Liebe. Da war insbesondere dieses eine Pärchen, Emma und Jenny, die die Macht hatten, nicht nur Fanherzen auf der ganzen Welt zu verzaubern, sondern auch Server kleinerer und größerer Webseiten lahmzulegen. Für einige Monate im Jahr 2011 schien die ganze Welt im „Jemma“-Rausch.

Doch den Managern bei besagtem Privatsender – der mit den Bällchen – genügte die allgemeine Begeisterung nicht, weil sie sich nicht in Euro und Cent auszahlte, und so beschlossen sie, die Serie nicht fortzusetzen. Womit sie aber nicht gerechnet hatten waren die verzauberten Fans, die das nicht einfach hinnehmen wollten.

Zwar konnten weder die vielen Mails, Briefe, Anrufe und sogar Flashmobs noch der intensive Duft nach Oregano, der bald durch die Zentrale des Bällchensenders im Süden Deutschlands wehte, die Herzen der Manager erweichen, und so endete die Serie im September 2011. Jedoch wäre sie wohl, wie schon so viele andere vor ihr, in Vergessenheit geraten, wenn da nicht eben diese Fans wären und zudem eine junge Wissenschaftlerin, die von deren Aktivitäten so beeindruckt war, dass sie entschied, über sie ihre Doktorarbeit zu schreiben. Sie recherchierte, beobachtete und befragte die Fans, u.a. nach Medienumgang, Sehgewohnheiten, sexueller Orientierung, Urheberrecht und ja, auch Oregano, wertete das alles aus und schrieb es auf. Ihre Ergebnisse hat sie jetzt veröffentlicht:

Medienbezogene Partizipationsaktivitäten von Daily Soap-Fans im Internet : eine Untersuchung am Beispiel der Daily Soap „Hand aufs Herz“

Und wer sich immer noch fragt, was das alles mit Oregano zu tun hat: Seite 202 bzw. Folge 181. 😉

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Liebe in der Parallelwelt

Der Film „Ich will dich“ erzählt die Geschichte von Marie und Ayla, die sich ineinander verlieben, obwohl sie beide mit Männern zusammenleben. Hat ihre Liebe eine Chance?

„Ich bin nicht lesbisch“, sagt Marie irgendwann abwehrend zu Ayla, doch da ist es schon zu spät. Ausgerechnet während eines Pärchenwochenendes hat es zwischen der verheirateten Marie und Ayla, der Freundin von Maries altem Freund Dom, gefunkt. Auch wenn Marie zunächst gegen ihre Gefühle ankämpft, lässt sie sich bald auf eine Affäre ein, die auch weitergeht, nachdem Ayla von Dom schwanger wird und ihn heiratet. Erst als Maries halbwüchsiger Sohn Jonas das Verhältnis der beiden Frauen aufdeckt, müssen sie sich entscheiden: Hat ihre Liebe auch außerhalb der Parallelwelt, in die sie sich geflüchtet haben, eine Chance?

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Ayla (Erika Marozsán, links) und Marie (Ina Weisse) / (Bild: WDR/Conny Klein)

Dass sich in Filmen zwei Menschen ineinander verlieben, die eigentlich schon anderweitig vergeben sind, ist nichts Neues. Wenn Ich will dich auf der Webseite von ARTE als „ungewöhnliche Liebesgeschichte“ beschrieben wird, hat das daher wohl eher damit zu tun, dass es hier um zwei Frauen geht, die sich aufeinander einlassen – etwas, das in deutschen Filmen leider immer noch selten erzählt wird und deshab wohl als ungewöhnlich gelten muss.

Vielleicht soll sich die Beschreibung aber auch darauf beziehen, wie die Liebe zwischen Marie und Ayla erzählt und gezeigt wird, nämlich weniger romantisch als vielmehr leidenschaftlich und heftig. Immer wieder wird das fast schmerzhafte Begehren der beiden Frauen deutlich, die einfach nicht voneinander lassen können. Insbesondere was Marie angeht, erklärt der Film dabei wenig, sondern lässt ihr Verhalten für sich sprechen und öffnet damit Raum für Interpretationen. Ist es nur eine Reaktion auf beruflichen und familiären Stress – ihr Mann Bernd betrügt sie, ihre 14jährige Tochter Lilly will die Pille, Sohn Jonas wird mit Gras erwischt – oder ist es doch mehr? Und weiß Marie eigentlich selbst so genau, was sie da tut? Auch die Motive von Ayla sind nicht deutlich. Warum will sie unbedingt an der Beziehung mit Dom festhalten, wenn sie doch offensichtlich Marie liebt?

Der Film bietet hier keine einfachen Lösungen an, aber gerade das ist eine seiner Stärken. Liebe ist eben nicht schwarz und nicht weiß und schon gar nicht rosarot, sondern sie ist kompliziert und kann wehtun. Dabei sind einige Szenen gerade zum Ende hin eher schwer zu ertragen und wirken im Hinblick auf die Entwicklung der Figuren auch nicht unbedingt stringent. Dennoch lohnt es sich, dem Film eine Chance zu geben und – soviel sei verraten – bis zum Schluss durchzuhalten.

Wer jetzt neugierig geworden ist: Noch bis nächsten Freitag (20.2.15) ist der Film auf der Webseite von ARTE abrufbar.