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In eigener Sache: Neuigkeiten zu „Rosalie & Co.“

Ich habe mir in den vergangenen Wochen einige Gedanken darüber gemacht, wie es mit dem Bloggen für mich allgemein, aber insbesondere auch wie es mit „Rosalie & Co.“ weitergeht. Und – um dies einmal vorwegzunehmen – es geht weiter. Nur ein bisschen anders als bisher.

Diesen Blog gibt es inzwischen seit über 7 Jahren – Bloggeburtstag war Mitte Oktober – und ich habe ihm sehr viele spannende Erfahrungen zu verdanken: u.a. den Setbesuch bei Hand aufs Herz, meine ersten Interviews und einen Artikel in der taz. Auch ist das Thema dieses Blogs, nämlich die Darstellung von lesbischen und bisexuellen Frauen in den Medien, insbesondere auch in deutschen Serien und Filmen, leider noch immer relevant, wie der zuletzt veröffentlichte Blogbeitrag, in dem es u.a. um frauenliebende Frauen in deutschen Serien ging, deutlich macht. Darüber werde ich deshalb auch weiter schreiben, allerdings zukünftig in einem anderen Rahmen.

Seit letzter Woche gibt es einen neuen Blog von mir: die Seriennotizen. Dort geht es, wie der Name schon sagt, um Serien, vor allem um die, die ich mag. Ab und an werde ich aber auch über Serien schreiben, die ich eher kritisch betrachte. Und wenn es in einer Serie queere Frauenfiguren oder Liebesgeschichten zwischen Frauen gibt, dann werde ich in meinen Texten mit Sicherheit darauf eingehen. Die Sichtbarkeit von LGBT*-Figuren und -Geschichten in Serien, insbesondere auch in deutschen Serien, wird nach wie vor ein wichtiges Thema für mich sein, denn “visibility matters” – noch immer. Deshalb gibt es dazu auch eine eigene Kategorie.

Inhaltlich wird sich insofern nicht viel ändern, als es in den Beiträgen bei Rosalie & Co. ohnehin schon sehr häufig um Serien ging. Diese finden sich jetzt nur an einem anderen Ort. Interessante Links und Kommentare zu anderen Medien oder allgemein zu lesbischem Leben wird es im übrigen weiterhin bei Facebook und Twitter geben. Der größte Teil der Inhalte von Rosalie & Co. bleibt zudem bis auf weiteres online verfügbar. Und ich bastele derzeit noch an ein oder zwei weiteren Ideen – lasst euch überraschen.

Mehr Infos zu meinem neuen Blogkonzept gibt es hier:

Neuer Blog, neues Konzept, neuer Look | medienbloggerin.de

Und hier noch einmal der Link zum neuen Blog: Seriennotizen

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Lesben in Serie (Oktober 2017): Deutsche Serien, Supergirl, Grey’s Anatomy und mehr

Beim Thema frauenliebende Frauen in deutschen Serien sieht es immer noch eher düster aus, ebenso wie wohl leider für „Sanvers“, das Frauenpaar in der Serie „Supergirl“. Besser läuft es dagegen u.a. für Arizona Robbins in „Grey’s Anatomy“ sowie Schauspielerin Samira Wiley.

Frauenliebende Frauen in deutschen Serien

In den vergangenen Jahren habe ich im Oktober immer einen Blick auf frauenliebende Frauen in deutschen Serien geworfen. Das war letztes Jahr schon so unerfreulich, dass ich mir meinen Frust darüber von der Seele schreiben musste. Ein Gutes hatte dieser Frustbeitrag damals. Nein, er hat nicht dazu beigetragen, dass sich wirklich etwas verbessert hat. Aber er hat mir die Möglichkeit verschafft, einen Gastbeitrag über die unbefriedigende Sichtbarkeit von LGBTQI* in deutschen Fernsehserien für die taz zu schreiben und das Thema damit in eine breitere Öffentlichkeit zu bringen: Kolumne Couchreporter: Ausgerechnet „GZSZ“ glänzt

Auch in diesem Jahr habe ich wieder darüber nachgedacht, einen entsprechenden Blogbeitrag zu schreiben, es dann aber lieber doch gelassen. Auch meine Frustrationstoleranz hat halt Grenzen. Hier daher nur eine Zusammenfassung:

  • Bei GZSZ ist die Liebe zwischen Anni und Jasmin für kurze Zeit wieder aufgeflammt. Anni musste jedoch irgendwann einsehen, dass Jasmin nicht nur ihr, sondern vor allem sich selbst etwas vorgemacht hat, weil sie Angst hatte, den ihr angebotenen Traumjob in New York anzunehmen. Schweren Herzens hat Anni daher Jasmin dazu gedrängt, sich von ihr zu trennen und nach New York zu gehen – was Jasmin schließlich auch getan hat. Anni hat in der Folgezeit versucht, ihren Liebeskummer mit möglichst vielen nichtssagenden Bettgeschichten zu bekämpfen. Eine potenzielle neue Liebe ist noch nicht am Horizont aufgetaucht. Immerhin: Am Ende der Beziehung waren beide Frauen noch am Leben und keine hat die andere mit einem Mann betrogen.
  • In die tiefsten Tiefen der Klischeekiste hat dagegen die ARD-Serie Charité gegriffen. Hier hat die lesbische Figur das Ende der ersten Staffel leider nicht erlebt. Serienfan Lied hat hierzu einen langen offenen Brief geschrieben: Die Existenz und das Sterben von Therese
  • Nicht ganz so tief, aber schlimm genug war der Klischeekistengriff bei Familie Dr. Kleist, Bettys Diagnose und SOKO Stuttgart, wo wahlweise dem in seine beste Freundin verknallten Teenager geraten wurde, es doch noch einmal mit einenm Jungen zu versuchen (Familie Dr. Kleist), die in eine Frau verliebte Ärztin nach Zurückweisung zur fiesen Intrigantin wurde (Bettys Diagnose) oder ein von Fans ersehntes Wiedersehen mit einer „Wir bleiben irgendwie Freundinnen“-Erklärung endete (SOKO Stuttgart). Wieder eine lesbische Frau, die irgendwie letztlich nur dazu diente, eine Hetero-Ehe zu retten, juhu. Und bravo, Social Media-Team von SOKO Stuttgart, das immer schön die Hoffnung der Fans angestachelt hatte, dass da doch noch was geht zwischen Martina und Paula: Das war „Queerbaiting“ at its best.
  • Den Verantwortlichen für den Schweizer Tatort ist eingefallen, dass ihre Kommissarin Liz Ritschard schon einige Male Frauen geküsst hat und offiziell als lesbisch gilt. Aber während sich in den vergangenen Folgen ziemlich viel um das Liebesleben des Kommissars drehte, wollte man es bei Liz wohl nicht gleich übertreiben. Eine Bemerkung zu einer Kollegin und ein züchtiger Kuss nach Feierabend war alles, was vom Liebesleben der Kommissarin in der vor Kurzem ausgestrahlten Folge zu sehen war. Gleichberechtigung geht anders. *seufz*
  • Und dann war da noch Zarah, die Serie über eine Frauenrechtlerin und Journalistin, die in den 1970er Jahren die männerdominierte Redaktion eines deutschen Nachrichtenmagazins aufmischt. Im Laufe der Serie verliebt sich Zarah in Jenny, die Tochter des Verlegers, und beginnt eine Beziehung mit ihr. Ob es ihnen nun aufgefallen ist oder nicht: Zarah dürfte damit die erste queere Titelfigur einer ZDF-Serie gewesen sein. Ich schreibe dies bewusst in der Vergangenheit, da aufgrund der schlechten Quoten mit einer Fortsetzung wohl nicht zu rechnen ist. Ich habe meine Eindrücke von der ersten Folge hier notiert und werde sicher auch über die Serie insgesamt noch etwas schreiben, sobald ich sie zu Ende gesehen habe.

    Zwischen Zarah (Claudia Eisinger, l.) und Verlegertochter Jenny (Svenja Jung, r.) entwickelt sich mehr als Freundschaft (Bild: ZDF/Georges Pauly)

Supergirl: Was wird aus „Sanvers“? (Spoiler Staffel 3)

Oh-oh: Nachdem Staffel 2 von Supergirl mit einem Heiratsantrag von Alex an Maggie endete, den diese mit einem Lächeln beantwortete, hofften viele Fans schon auf viele weitere romantische „Sanvers“-Szenen in Staffel 3. Leider wurde kurz nach dem Staffelfinale bekannt, dass „Maggie“ Floriana Lima in Staffel 3 kein feste Darstellerin mehr sein, sondern nur Gastauftritte haben würde. In den ersten neuen Folgen, die seit Anfang Oktober ausgestrahlt werden, ist sie zwar noch dabei, doch am Horizont zeigen sich bereits die ersten dunklen Wolken. Und spätestens seit „Alex“ Chyler Leigh vor einigen Tagen einen etwas deprimierenden Instagram-Post veröffentlicht hat, in dem es kryptisch um anstehende „Veränderungen“ geht, dürfte klar sein, dass es für die beiden nicht gut aussieht. Wirklich schade.

Grey’s Anatomy: Arizona im (LIebes-)Glück? (Spoiler Staffel 13,14)

Besser als bei Alex Danvers läuft es dagegen bei Arizona Robbins. Zwar hat ihre noch ganz frische Beziehung mit Eliza Minnick am Ende von Staffel 13 einen massiven Dämpfer erhalten, als Bailey Minnick gefeuert hat. Daraufhin ist Minnick ohne ein Wort aus Arizonas Leben verschwunden. Doch Arizona hat schnell Trost gefunden in den Armen der Italienerin Carina, Schwester von Arizonas Untermieter Andrew und ebenfalls Ärztin. Und nun sieht es sogar so aus, als würde Arizonas Tochter Sofia, die derzeit bei ihrer anderen Mutter Callie und deren neuen Partnerin Penny in New York lebt, zurück nach Seattle kommen.

Arizona Robbins ist eine Figur, deren Bedeutung für die Sichtbarkeit von lesbischen Frauen in Serien leicht übersehen wird, vielleicht weil sie inzwischen so selbstverständlich ist. Und das ist genau das Tolle: Dass Arizona Frauen liebt, ist keine große Sache, sondern eine Tatsache, über die nicht mehr groß gesprochen werden muss. Ihre Beziehungen werden genauso behandelt wie alle Hetero-Beziehungen. Und das Wichtigste: Sie lebt. Bei all den vielen Todesfällen in den vergangenen Staffeln hat die Lesbe überlebt. Das kann man den Verantwortlichen von Grey’s Anatomy gar nicht hoch genug anrechnen.

News, die irgendwie mit Samira Wiley zusammenhängen

Viel Positives gibt es derzeit auch über und im Zusammenhang mit Schauspielerin Samira Wiley zu berichten. Ihr Ausstieg aus Orange Is the New Black hat ihrer Karriere jedenfalls nicht geschadet, im Gegenteil. Für ihre Rolle in der Serie The Handmaid’s Tale wurde sie in diesem Jahr für einen Emmy nominiert. Von der Serie wird gerade Staffel 2 gedreht, in der übrigens – die ebenfalls offen lesbische – Clea DuVall mitspielen wird. Außerdem spielt Samira eine Hauptrolle in der gerade angelaufenen Serie Ryan Hansen Solves Crime on Television. Die ersten beiden Folgen sind frei auf YouTube verfügbar, reinschauen lohnt sich. Privat ist Wiley seit März 2017 mit der OITNB-Autorin Lauren Morelli verheiratet. Wer wissen möchte, wie die beiden leben, kann hier einen Eindruck davon bekommen: Newlyweds Samira Wiley and Lauren Morelli Take AD Inside Their First Home Together

Last but not least:
  • Seit Ende der Woche ist „The Carmilla Movie“ online verfügbar. Für die Webserie Carmilla, auf der der Film beruht, hatte ich in diesem Blogbeitrag schon einmal Werbung gemacht. Und über den Film werde ich sehr wahrscheinlich auch etwas schreiben – sobald ich ihn gesehen habe. 😉
  • Weiter oben war schon von Grey’s Anatomy und „Calzona“ die Rede. „Callie“-Darstellerin Sara Ramirez hat kürzlich bei vielen Fans für einen deutlich erhöhten Pulsschlag sowie Schnappatmung gesorgt, als sie bei Twitter ein Foto von ihrer neuen Rolle in der Serie Madame Secretary veröffentlicht hat.
  • Ich habe neulich die zweite Staffel der Serie One Mississippi von und mit Tig Notaro „gebinged“ und war sehr begeistert. Meinen Blogbeitrag dazu gibt’s hier: „Serientipp: One Mississippi“
  • Von der Webserie Out With Dad wurde nach längerer Zeit mal wieder eine neue Folge freigeschaltet: 4.18 „Without Regret“
  • Auch nach über 6 Jahren ist „Jemma“ nicht vergessen. Es gibt einen aktuellen Artikel über das Paar Jenny & Emma aus der deutschen Soap Hand aufs Herz. Leider ist der Artikel bei AfterEllen erschienen, eine Seite, die ich aufgrund des Umgangs mit ehemaligen Autorinnen nicht mehr unterstütze. Insofern gibt es hier nur den Hinweis, aber keinen Link.

Gibt es weitere Seriennews, die aus eurer Sicht berichtenswert wären? Dann schreibt sie gern in die Kommentare.

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Zum Start der zweiten Staffel von Supergirl bei ProSieben habe ich einen längeren Text über die Coming-out-Geschichte in der Serie und die Beziehung von Alex Danvers und Maggie Sawyer alias „Sanvers“ geschrieben:

Coming-out bei „Supergirl“: Was die Geschichte von Alex Danvers in der zweiten Staffel der Serie so großartig und wichtig macht

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Frauenliebende Frauen in deutschen Serien im Oktober 2016: Mehr Frust als Lust

Visibility matters – Sichtbarkeit ist wichtig. Im deutschen Fernsehen lässt sie jedoch leider zu wünschen übrig. Ein Frustbeitrag über den Status der Repräsentation lesbischer, bisexueller, queerer Frauen in deutschsprachigen Serien.

Aktuell das wohl einzige Frauenpaar in einer deutschen Serie: Anni (Linda Marlen Runge, r.) und Rosa (Joana Schümer) in der RTL-Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" (Bild: RTL / Rolf Baumgartner)

Ausgerechnet eine RTL-Soap hält tapfer die Fahne lesbischer Sichtbarkeit im deutschen Fernsehen hoch: Anni (Linda Marlen Runge, r.) mit ihrer neuen Flamme Rosa (Joana Schümer) in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (Bild: RTL / Rolf Baumgartner)

In den vergangenen Jahren habe ich, jeweils im Oktober, eine Übersicht über frauenliebende Frauen in deutschsprachigen Serien veröffentlicht, also lesbische, bisexuelle, queere Frauenfiguren, die regelmäßig in der jeweiligen Serie zu sehen sind und nicht bloße Episodenrollen. Auch für dieses Jahr hatte ich mir das fest vorgenommen – und es in den letzten Wochen immer wieder aufgeschoben. Der Grund: Ich hatte keine Lust, mich mit dem Thema zu beschäftigen, weil es so unendlich frustrierend ist. Seit 2012, als ich zum ersten Mal eine entsprechende Übersicht veröffentlicht habe, hat sich kaum etwas bewegt und wenn, dann in die falsche Richtung. Weil ich aber auch nicht einfach nichts zu dem Thema schreiben wollte, habe ich mir im Folgenden stattdessen genau diesen Frust von der Seele geschrieben.

Was andere können, können deutsche Serien noch lange nicht – leider

Vor einigen Wochen veröffentlichte das Onlinemagazin Pride eine Übersicht aller lesbischen Figuren in amerikanischen bzw. englischsprachigen Serien, die im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt werden oder in den USA bei Video on Demand-Anbietern verfügbar sind. Die Übersicht umfasste ingesamt 44 Figuren. Wohlgemerkt waren das nur die als lesbisch identifizierten Figuren. Für andere nicht-heterosexuelle Figuren gab es eine eigene Übersicht. In den Erläuterungen zu der Übersicht wurde zudem ausgeführt, dass keine Figuren erfasst wurden, die in einer Animationsserie, einem Reality-Programm oder einer Soap Opera vorkommen.

Spätestens an diesem Punkt war mir ein bisschen zum Weinen zumute. Die letzte von mir erstellte Übersicht für deutschsprachige Serien, die im deutschen Fernsehen ausgstrahlt werden, aus dem Oktober 2015 bestand aus sechs Figuren. Ohne „Seifenopern“ – einschließlich der Lindenstraße und Telenovelas wie Rote Rosen – wären es sogar nur zwei gewesen, nämlich Dr. Heike Steinbeck aus der ZDF-Krimiserie Die Chefin und Liz Ritschard aus dem Schweizer Tatort. Da Heike inzwischen aus der Serie ausgeschieden ist, bleibt aktuell nur Liz*. Selbst wenn man bedenkt, dass im US-Fernsehen deutlich mehr englischsprachige Serien laufen als deutschsprachige im deutschen Fernsehen, ist ein Verhältnis 1 : 44 trotzdem irgendwie bitter.

Wenn es Geschichten gibt, sind sie meistens nicht gut erzählt

Es kommt hinzu, dass die meisten Geschichten in deutschen Serien, die mit lesbischen oder bisexuellen Frauenfiguren erzählt werden, überwiegend nicht dazu geeignet sind, Begeisterungsstürme auszulösen. Die Liebesgeschichte zwischen Isabelle und Eliane in der ARD-Telenovela Rote Rosen beispielsweise hatte zwar einige wirklich schöne, da gut geschriebene und gut gespielte Momente. Davon hätte zumindest ich gern mehr gesehen. Die Storyline und die Figur Isabelle Münzberg wirkten jedoch insgesamt eher schlampig entwickelt. Die Geschichte kam zu Beginn kaum in Gang, Isabelles Reaktionen waren nicht immer stimmig. Dann hatten sich Isabelle und Eliane endlich gefunden und durften einige Folgen lang glücklich sein, bis Isabelle dann sehr abrupt feststellte, dass sie doch lieber woanders als in Lüneburg ihre frisch entdeckte Homosexualität ausleben wollte. Eliane blieb mit gebrochenem Herzen zurück. Die Figur ist immer noch Teil der Serie, hat aber – für die Serie nicht wirklich überraschend, aber deshalb nicht weniger frustrierend – seit Isabelles Weggang bisher kein romantisches Interesse mehr an einer anderen Frau gezeigt.

So enttäuschend die Entwicklung bei Rote Rosen auch war, die Geschichte war insgesamt immer noch besser als das, was sich die Autor*innen von Die Chefin für Heike Steinbeck ausgedacht hatten, bisher eine meiner erklärten Liebelingslesben in einer deutschen Serie. Mehr als einmal hatte ich da den Wunsch zum Ausdruck gebracht, dass ich sie gern mal mit einer Freundin sehen würde. Zu Beginn der 6. Staffel, die im Frühjahr ausgestrahlt wurde, war es dann tatsächlich soweit: Heike durfte eine Frau küssen. Leider hatte das jedoch seinen Preis. Im weiteren Verlauf der Folge wurde Heike erst vergewaltigt, dann von ihrer Freundin verlassen und zum Schluss von ihrem Vergewaltiger entführt und zusammengeschlagen. Und als wäre das alles noch nicht schlimm genug, gab es in der Folge auch noch eine tote Lesbe, eine Bekannte von Heike, die ihr helfen wollte und von dem Vergewaltiger getötet wurde. Das „Dead Lesbian Syndrome“ lässt grüßen. Leider war diese schlimme Folge der letzte Auftritt der Figur Heike Steinbeck in der Serie.

Immerhin konnte man damals, im Frühjahr dieses Jahres, noch darauf hoffen, dass das ZDF selbst den Verlust dieser frauenliebenden Frauenfigur dadurch kompensieren würde, dass eine andere Figur, ebenfalls in einem ZDF-Krimi, ihre Liebe zu Frauen entdeckt. In der Vorabendserie SOKO Stuttgart hatte die Kommissarin Martina Seiffert sich mit der lesbischen Journalistin Paula Voss angefreundet und es deutete sich an, dass sich zwischen diesen beiden mehr entwickeln könnte. Tatsächlich kam es in der ersten neuen Folge der Serie, die Anfang Oktober ausgestrahlt wurde, zwischen den beiden zu einem Kuss, der zwar von Paula initiiert wurde, Martina aber nicht kalt gelassen hat. In der darauffolgenden Episode gab es eine Umarmung und eine Verabredung, zusammen feiern zu gehen, allerdings in Begleitung anderer Leute. Seitdem: Nichts. Nada. Niente. Selbst wenn sich zwischen Martina und Paula in der Zwischenzeit eine Liebesbeziehung entwickelt haben sollte, haben die Zuschauer*innen davon bisher nichts zu sehen bekommen und es wird dazu auch nur noch wenig Gelegenheit geben. In der kommenden Folge geht die Figur Paula nämlich auf eine „große Reportage-Reise“ und wird in der Serie erst einmal nicht mehr dabei sein. Auch diese Geschichte muss daher vorläufig in den Rubriken „enttäuschend“ und „vertane Chance“ abgelegt werden.

Lichtblick mit Wermutstropfen

Die einzige deutsche Serie, die mir in diesem Jahr bisher in Bezug auf frauenliebende Frauenfiguren mehr Freude als Frust bereitet hat, ist – wieder einmal – Gute Zeiten, schlechte Zeiten (GZSZ). Zwar finde ich es immer noch bedauerlich, dass man mit der Figur Jasmin lieber eine heterosexuelle Inzestgeschichte erzählt hat, als ihre Beziehung mit Anni zu retten, aber immerhin gab es zwischen den beiden Ex-Freundinnen einige ganz schöne Momente, in denen deutlich wurde, wie viel die beiden einander bedeuten, auch wenn sie kein Paar mehr sind. Das dürfte ein wenig Balsam für die geplagte Fanseele gewesen sein. Worüber ich mich zudem sehr gefreut habe war, dass ich dank GZSZ die Schauspielerin Meike Schlüter mal wieder auf meinem Fernsehschirm sehen durfte, den meisten wohl vor allem bekannt durch die Kerstin & Sascha-Geschichte aus Hinter Gittern. Sie hatte im Frühjahr eine Gastrolle als Kommissarin. In die entsprechende Kriminalgeschichte war auch Anni verwickelt, aber auch da ist es GZSZ gelungen, typische Lesben-Klischees gekonnt zu umschiffen. Dass von vier Frauen ausgerechnet die Lesbe die einzige war, die nicht zu irgendeiner Zeit wegen Mordverdachts im Gefängnis gelandet ist, obwohl das Opfer der neue Lover ihrer Ex war, fand ich schon irgendwie bemerkenswert.

Und nun gibt es sogar ein neues Frauenpaar, denn Anni hat mit Rosa angebandelt, einer Geschäftsfrau aus Hamburg, die eigentlich so gar nicht zu ihr passt, was die Geschichte aber interessant macht. Natürlich gab es zwischen den beiden zu Beginn die obligatorischen  – und daher für mich eher nervigen – Streitigkeiten, bei denen vor allem Annis Verhalten aus meiner Sicht nicht immer zu der Figur passte, sondern ein wenig „out of character“ war und die Figur unnötig unsympathisch gemacht hat.

Was mir an der Geschichte jedoch gut gefällt ist, dass es keine herkömmliche Coming-out-Geschichte ist. Beide Frauen, sowohl Anni als auch Rosa, wussten, bevor sie etwas miteinander angefangen haben, dass sie Frauen lieben. Das Hindernis für sie zusammenzukommen bestand daher nicht darin, dass sich eine Figur, die sich zuvor als heterosexuell identifiziert hatte, erst damit auseinandersetzen musste, plötzlich einen Menschen desselben Geschlechts zu lieben, sondern dass Anni sich überwinden musste, ihren Gefühlen für eine Frau nachzugeben, die so überhaupt nicht in ihr „Beuteschema“ passt. Die Geschichte wird damit bisher aus einer ausschließlich lesbischen Perspektive erzählt, was immer noch selten der Fall ist. Ungewöhnlich ist zudem, dass es bei den beiden Frauen, jedenfalls bisher, nicht um die große Liebe geht, sondern um Leidenschaft und Begehren. Dass homosexuelles Begehren für so manche Zuschauer*innen noch immer irritierend ist, zeigen einige Kommentare in sozialen Netzwerken als Reaktion auf die erste Sexszene der beiden. Umso wichtiger ist es, dass es in einer beliebten, zuschauerstarken Serie wie GZSZ zu sehen ist.

Auch bei GZSZ geht es jedoch nicht ganz ohne Frust. Vor einigen Wochen war auf dem RTL-Twitteraccount zu lesen, dass Joana Schümer alias Rosa ihren letzten Drehtag hatte und die Serie somit schon in Kürze wieder verlassen wird. Damit steht das derzeit einzige (!?) Frauenpaar in einer deutschen Serie auch schon wieder vor dem Aus. Sehr, sehr schade.

Und nun?

Was folgt nun also aus all dem Frust, den ich mir hier gerade von der Seele geschrieben habe? Ich habe keine Ahnung, und das ist mindestens ebenso frustrierend.

Ich würde gern aufhören, mir Gedanken über die Darstellung und Sichtbarkeit von LGBTQI* und insbesondere lesbischen, bisexuellen, queeren Frauen im deutschen Fernsehen und vor allem deutschen Fernsehserien zu machen. Nur leider bin ich davon überzeugt, dass genau diese Sichtbarkeit wichtig ist, um in der Gesellschaft auf Dauer mehr Akzeptanz zu bewirken. Visibility matters. Ich möchte auch nicht eine von den Serienfans werden, die jede deutsche Serie per se verdammen. Mord mit Aussicht, Der Tatortreiniger, Club der roten Bänder sind nur einige Beispiele für Serien, die in Deutschland produziert wurden und die ich sehenswert fand, selbst wenn auch hier der Aspekt „Vielfalt“ an der ein oder anderen Stelle zu wünschen übrig ließ bzw. lässt.

Also werde ich wohl weiter hoffen müssen, wenn auch vielleicht mit ein bisschen weniger Optimismus, dass sich mehr deutsche Serienmacher und Verantwortliche in den jeweiligen Sendern von ihren heteronormativ geprägten, klischeelastigen Erzählstrukturen verabschieden und sich für vielfältigere Geschichten und Figuren öffnen. Zu Anfang wäre ich ja schon mit einer weiteren Frauenfigur zufrieden, meinetwegen auch in einer öffentlich-rechtlichen Vorabendserie, die Frauen liebt, ohne dass dies großartig erklärt oder betont werden müsste, und die nach Möglichkeit nicht bei erster Gelegenheit von ihrer Partnerin mit einem Mann betrogen, vergwaltigt oder umgebracht wird. Figuren also, wie man sie in immer mehr internationalen Serien wie beispielsweise Grey’s Anatomy (Arizona Robbins), Call the Midwife (Patsy Mount & Delia Busby), The Fosters (Stef & Lena Adams Foster) oder seit Neuestem auch Wynonna Earp (Officer Nicole Haught) findet, aber eben immer noch viel zu selten im deutschen Fernsehen.

*In der ursprünglichen Version dieses Beitrags hatte ich geschrieben, dass die Sexualität von Liz unklar ist. Tatsächlich hat der SRF inzwischen bestätigt, dass Liz lesbisch ist.

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Lesben in Serie: GZSZ, SOKO Stuttgart, Carmilla & mehr

Bei „GZSZ“ scheint Anni ihre Meisterin gefunden zu haben, was amouröse Abenteuer angeht, die Leiterin der „SOKO Stuttgart“ bandelt mit einer Frau an und die kanadische Webserie „Carmilla“ dürfte Popkultur-Nerds und Romantikerinnen gleichermaßen begeistern. Außerdem: Infos und Links zu „Grey’s Anatomy“, lesbischen Serienfiguren im US-Fernsehen und den Emmys 2016

Rosa (Joana Schümer) überrascht Anni mit einem spontanen Kuss

GZSZ: Rosa (Joana Schümer, r.) überrascht Anni (Linda Marlen Runge) mit einem spontanen Kuss

GZSZ

Seit der Trennung des Traumpaares Anni & Jasmin im vergangenen Jahr schienen die Autor*innen von GZSZ sich erst einmal Zeit damit lassen zu wollen, für Anni eine neue Liebesgeschichte zu schreiben. Mit Frauen sah man sie in dieser Zeit eher selten, zumindest nicht auf romantische bzw. erotische Weise. Stattdessen heiratete sie einen Mann – wenn auch nur zum Schein – und landete bei dem Versuch, Jasmin vor einer fatalen Beziehung mit ihrem eigenen Vater zu bewahren, fast im Gefängnis.

Vor einigen Wochen wurde jedoch die Figur Rosa in die Serie eingeführt, eine wohlhabende Geschäftsfrau aus Hamburg, und es sieht so aus, als würde sie Anni den Kopf verdrehen. Zwar waren Annis und Rosas erste Begegnungen durch Streit und gegenseitige Abneigung geprägt, doch nach und nach wurde deutlich, dass da was ist zwischen ihnen. Anni wollte dies zunächst nicht wahrhaben, weil Rosa älter ist und auch sonst ganz anders als sie. Ein spontaner Kuss von Rosa beeindruckte Anni aber so sehr, dass sie sich darauf einließ, Rosa auf ihrem Hotelzimmer zu treffen. Als Rosa sie jedoch versetzte, war Anni tief gekränkt und gab Rosa zu verstehen, nichts mehr mit ihr zu tun haben zu wollen.

In der kommenden Woche geht es nun weiter mit den beiden und es wird deutlich, dass die Geschichte zwischen ihnen noch lange nicht vorbei ist. In der Vorschau zur Folge vom kommenden Donnerstag (6.10.) heißt es dazu:

„Anni signalisiert Rosa weiterhin stolz, dass die ihre Chance hatte und sie nicht auf Sex mit ihr angewiesen ist. Aber irgendwie ist Anni, seit Rosa sie versetzt hat, aus dem Tritt geraten. Ihre Flirts kommen nicht mehr an, sie reagiert dünnhäutig, sobald Rosa in ihrer Nähe auftaucht. Anni will trotzdem nicht einknicken, aber in Rosa hat sie ihre Meisterin gefunden…“

Mehr Infos zur Geschichte zwischen Anni und Rosa, u.a. ein Video, in dem die beiden Darstellerinnen Linda Marlen Runge (Anni) und Joana Schümer (Rosa) über ihre Figuren und die Geschichte sprechen, gibt es auf der GZSZ-Webseite, einen englischen Blogbeitrag über Anni & Rosa gibt es hier: „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“: A new love interest for Anni?

SOKO Stuttgart

Ebenfalls in der kommenden Woche starten neue Folgen der ZDF-Vorabendkrimiserie SOKO Stuttgart. Bereits in der vorherigen Staffel hatte sich angedeutet, dass eine der Hauptfiguren, die Leiterin der SOKO, romantisches Interesse an einer anderen Frau entwickeln könnte. Martina Seiffert hatte die Journalistin Paula Voss bei den Ermittlungen zu einem Fall kennengelernt und sich mit ihr angefreundet. In einer späteren Folge hatte Paula sich bei Martina als lesbisch geoutet. Parallel dazu hatte sich Martinas Ehekrise verschärft und sie war aus dem Haus, das sie gemeinsam mit Ehemann und Tochter bewohnte, ausgezogen.

In der Folge, die am kommenden Donnerstag (6.10.) ausgestrahlt wird, gerät Paula unter Mordverdacht, weil sie eine Beziehung mit dem Opfer hatte. Im Laufe der Ermittlungen wird deutlich, dass Paula mehr für Martina ist als nur eine Freundin und die beiden Frauen kommen sich näher.

Martina (Astrid M. F¸nderich, r.) und Paula Voss (Anne Werner, l.) sind einander plötzlich sehr nahe (Bild: ZDF / MARKUS-FENCHEL studiofenchel@)

Martina (Astrid M. Fünderich, r.) und Paula Voss (Anne Werner) sind einander plötzlich sehr nahe (Bild: ZDF / MARKUS-FENCHEL studiofenchel@)

Heißt das, dass es bei SOKO Stuttgart jetzt dauerhaft ein Frauenpaar geben wird? Das wäre ein Novum für eine ZDF-Krimiserie!

Danach sieht es jedoch leider erst einmal nicht aus. Nach Auskunft des ZDF handelt es sich bei der Romanze zwischen Martina und Paula um eine vorübergehende Liebesgeschichte. Die Figur Paula werde die Serie verlassen, könnte jedoch wieder auftauchen. Ein bisschen Hoffnung bleibt also und wahrscheinlich wird es von den Reaktionen der Zuschauerinnen und Zuschauer abhängen, ob und wie die Geschichte weitererzählt wird und welche Auswirkungen sie auf die Figur Martina hat.

Carmilla

Falls ihr am morgigen Feiertag noch nicht wisst, was ihr mit eurer Zeit anfangen sollt, und Lust auf eine kleine, aber feine und vor allem äußerst unterhaltsame Webserie habt, in der es auch um ein lesbisches Liebespaar geht, dann schaut doch mal in die kanadische Webserie Carmilla rein. Aktuell werden gerade die Folgen der dritten Staffel veröffentlicht, aber die bisherigen Staffeln sind noch online und bieten sich geradezu zum „Bingen“ an.

Carmilla spielt an einer fiktiven Universität in der österreichischen Steiermark, an der es allerdings interessanterweise so zugeht wie an einem amerikanischen College. (Die Serie basiert auf einer irischen Novelle aus dem 19. Jahrhundert, die Geschichte wurde zwar in die Neuzeit verlagert, der Handlungsort wurde jedoch beibehalten.) Erzählt wird in Form eines Videotagebuchs, dass die Journalismusstudentin Laura Hollis (Elise Bauman) führt, um ihr erstes Semester an der Silas Universität zu dokumentieren. Als ihre Mitbewohnerin Betty über Nacht verschwindet, setzt Laura alles daran herauszufinden, was geschehen ist, doch von Betty fehlt jede Spur. Stattdessen bekommt Laura nach kurzer Zeit eine neue Mitbewohnerin zugewiesen: Die mysteriöse Carmilla Karnstein (Natasha Negonvanlis). Unterstützt von ihren Kommiliton*innen LaFontaine, Perry und Danny ermittelt Laura weiter und findet bald heraus, dass an der Silas Universität nicht alles mit rechten Dingen zugeht – und dass Carmilla alles andere als eine „normale“ Studentin ist.

Carmilla ist zwar vor allem unterhaltsam und die ganzen Anspielungen auf Serien, Filme und Bücher wie Harry Potter, Veronika Mars, Doctor Who, Ghostbusters etc. dürften besonders Popkultur-Nerds das Herz höher schlagen lassen. Es gibt jedoch auch immer wieder nachdenkliche Untertöne. Es geht um Liebe und Freundschaft, darum, was man tut, um sie zu erhalten und woran sie zerbrechen können. Aber keine Sorge: Die Romantikerinnen unter euch werden ebenfalls auf ihre Kosten kommen. 😉

Staffel 1 und 2 von Carmilla bestehen aus jeweils 36 Folgen, die jedoch jeweils nur einige Minuten lang sind. Daneben wurde noch eine weitere, mit 12 Folgen deutlich kürzere Staffel 0 produziert, die vor der Handlung von Staffel 1 spielt. Aktuell werden sukzessive die Folgen der 3. und leider letzten Staffel veröffentlicht.

Und dann wäre da noch…

  • Seit vergangener Woche laufen in den USA neue Folgen von Grey’s Anatomy mit einer der dienstältesten lesbischen Serienfiguren in einer amerikanischen Serie. Doktor Arizona Robbins ist seit Staffel 5 dabei und hat bereits einiges mitgemacht, u.a. einen schweren Autounfall und einen Flugzeugabsturz überlebt, bei dem sie jedoch ein Bein verloren hat. Sie und Callie Torres haben sich mehrfach getrennt, geheiratet, ein Kind bekommen und sich scheiden lassen, nachdem Arizona Callie betrogen hat. Seit der Scheidung hatte Arizona zwar Affären, jedoch keine feste Beziehung. In der gerade gestarteten 13. Staffel soll sie laut Showrunner Shonda Rhimes jedoch eine neue Liebe finden. Wir dürfen gespannt sein. Die Ausstrahlung der 12. Staffel bei ProSieben wird übrigens ab dem 12.10. fortgesetzt.
  • Das Onlinemagazin Pride hat eine Liste mit allen lesbischen Figuren in amerikanischen Fernsehserien bzw. Serien, die im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt werden, veröffentlicht: 44 (All) of the Lesbian Characters on TV As of this Fall Season | Pride.com
  • Bei den Emmys 2016 gab es einige Preise für Serien mit lesbischen, bisexuellen, queeren Frauenfiguren: Frauenliebende Frauen bei den Emmys 2016: Und Hollywood bewegt sich doch | Rosalie & Co.

Habt ihr Ergänzungen, Gedanken, Meinungen? Dann immer rein damit ins Kommentarfeld.

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Abschied von „AfterEllen“: Das Ende einer Ära

Was das Aus des Onlineportals „AfterEllen“ für die lesbische Community, aber auch für mich selbst als Leserin und als Bloggerin bedeutet.

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(Bild: AfterEllen.com)

Der vergangene Dienstag war ein rabenschwarzer Tag für Fans lesbischer Popkultur. Trish Bendix, Chefredakteurin von AfterEllen, dem führenden Onlineportal für News und Berichte über lesbische, bisexuelle, queere Frauen im Entertainmentbereich und den Medien, verkündete in einem Beitrag auf ihrem privaten Tumblr-Blog, dass die Seite nach 14 Jahren zum Ende der Woche ihre Tore schließen würde. Zwar blieben alte Inhalte abrufbar, es werde jedoch keine feste Redaktion und damit keine regelmäßigen Artikel mehr geben. Der Grund für die Schließung sei, wie so oft, das Geld. Den aktuellen Eigentümern sei die Seite nicht profitabel genug und sie wollten nicht weiterhin in sie investieren.

Die Bedeutung von AfterEllen

Auch ich war von dieser Nachricht bestürzt. Ich habe AfterEllen fast von Anfang an gelesen. Wie so viele Leserinnen der ersten Stunde habe ich jeden Freitag ungeduldig auf die Veröffentlichung der „Best. Lesbian. Week. Ever.“ gewartet, der Kolumne, in der die Gründerin der Seite, Sarah Warn, Neuigkeiten über lesbische und bisexuelle Frauen im Entertainmentbereich und den Medien zusammengefasst hatte. Es waren Sarah Warns kluge, kritische Analysen der Darstellung lesbischer Figuren und der Liebe zwischen Frauen in Serien und Filmen, die mein Interesse an dem Thema geweckt und mich letztlich dazu gebracht haben, selbst auf einem Blog darüber zu schreiben. Rosalie & Co. wurde durch AfterEllen inspiriert. Und dank einiger Verlinkungen bei AfterEllen wurden meine Texte auch gefunden, von deutschen wie auch internationalen Leserinnen. Ich verdanke AfterEllen viel. Und auch wenn ich mich in den letzten Jahren aus diversen Gründen häufiger über die Seite geärgert habe und sie für mich an Bedeutung verloren hat, hätte ich nie gedacht, dass es sie irgendwann in dieser Form nicht mehr geben würde. Das ist ein herber Verlust nicht nur für hunderttausende Leserinnen weltweit, sondern auch für die Vielfalt in der Medienlandschaft allgemein. AfterEllen hat dazu beigetragen, lesbische, bisexuelle, queere Frauen in den Medien sichtbarer zu machen, und wenn es heute 44 lesbische Figuren in aktuellen Serien im US-Fernsehen gibt, dann ist das auch mit ein Verdienst von AfterEllen, in deren Berichterstattung die Wichtigkeit einer solchen Sichtbarkeit immer wieder unterstrichen und beharrlich betont wurde.

Dass eine beliebte Seite wie AfterEllen mit einer solchen Reichweite nicht ausreichend profitabel war, und zwar auch, wie in einigen Beiträgen zum Thema zu lesen war, weil lesbische und bisexuelle Frauen als Zielgruppe für potenzielle Werbekunden nicht attraktiv genug sind, wirft zudem die Frage auf, wie solche Inhalte überhaupt in Zukunft finanziert werden können. Auch ich habe in den vergangenen Tagen viel darüber nachgedacht, was das Aus von AfterEllen für Rosalie & Co. bedeutet.

Unterstützung aus der Community

Das Team von Autostraddle hat darauf eine Antwort gefunden, die zukunftsweisend sein könnte. Sie setzen auf die Community, die Nutzerinnen. Neben Werbung und sogenannten Affiliate Links – also Links zu Produkten, die auf der Seite besprochen werden, beispielsweise DVDs bei Amazon – gibt es bezahlte Inhalte, Merchandising und regelmäßige Treffen für die Community. Es wird sich zeigen, wie erfolgreich dieses Modell auf Dauer ist. In den vergangenen Tagen ist die Anzahl der Abonnentinnen allerdings bereits deutlich gestiegen. Der Schock über das Aus von AfterEllen dürfte vielen Nutzerinnen vor Augen geführt haben, wie wichtig es ist, Angebote für lesbische, bisexuelle, queere Frauen auch finanziell zu unterstützen, wenn man sie auf Dauer erhalten möchte.

Meine Antwort sieht etwas anders aus. Ich habe mich schon vor einiger Zeit von der Vorstellung verabschiedet, mit Rosalie & Co. Geld zu verdienen. Es war immer klar, dass das mit Werbung schwierig werden würde. Wenn, dann sollte es Werbung sein, die zur Zielgruppe passt, und zwar spezifisch für frauenliebende Frauen und nicht allgemein die LGBTI*-Community. Ich wollte die Seite auch nicht mit Bannern und Pop-up-Fernstern zupflastern, was zum Beispiel etwas war, das mich in den letzten Jahren bei AfterEllen massiv gestört hat. Zudem hat eine deutschsprachige Seite, die sich an ein Nischenpublikum wendet, ohnehin kaum eine Chance, eine Reichweite zu erlangen, die sich finanziell auszahlen könnte.

Dass ich dennoch weiterblogge, hat viel damit zu tun, warum ich ursprünglich mal mit dem Bloggen angefangen habe: Weil es mir Spaß macht und weil ich die Themen, über die ich schreibe, wichtig finde. Gerade der Aufschrei über das Aus von AfterEllen hat mir gezeigt, dass es immer noch einen Bedarf gibt für Blogs wie Rosalie & Co. Und es ist zum Glück auch nicht so, dass es mir gar nichts gebracht hätte, ganz im Gegenteil. Ich habe in den letzten Jahren mit Rosalie & Co. auf anderen Ebenen viel erreicht, für das ich dankbar bin. Ich habe interessante Kontakte knüpfen können, durfte tolle Menschen kennenlernen, spannende Situationen erleben und es haben sich sogar einige Träume erfüllt. Trotzdem würde natürlich auch ich mich über weitere Unterstützung aus der Community freuen. Die kann finanzieller Natur sein, z.B. in Form einer Spende über PayPal. Aber auch ein „Like“ bei Facebook, ein Retweet bei Twitter oder ein Kommentar auf dem Blog selbst sind als Form der Anerkennung und Wertschätzung immer gern genommen.

Ein spürbarer Verlust

Wie groß die Lücke ist, die das Aus von AfterEllen in die Berichterstattung über frauenliebende Frauen in der Popkultur reißt, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen. Anders als 2002, als Sarah Warn die Seite ins Leben rief, wird inzwischen auch in Mainstreammedien häufiger über lesbische, bisexuelle, queere Frauen im Entertainmentbereich berichtet. Hierzu hat sicherlich auch das Coming-out prominenter Frauen wie Jodie Foster und Ellen Page beigetragen. Zudem gibt es Seiten wie eben Autostraddle, die über ähnliche Themen berichten wie AfterEllen.

Dennoch wird der Verlust von AfterEllen spürbar sein. Es ist das Ende einer Ära.

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Frauenliebende Frauen bei den Emmys 2016: Und Hollywood bewegt sich doch

Frauen, die Frauen lieben, sei es als Figur oder im realen Leben – bei den Emmys 2016 waren lesbische, bisexuelle, queere Frauen und Frauenfiguren bemerkenswert präsent. Das macht Hoffnung für die Zukunft – gerade auch, wenn man einen Blick in die Vergangenheit wirft.

Als ich Ende der 1990er Jahre mein Coming-out hatte, gab es im Fernsehen kaum Frauen zu sehen, die Frauen liebten – nicht als Figuren, schon gar nicht als Schauspielerinnen. Eine der wenigen war Ellen DeGeneres, deren Serienfigur Ellen Morgan 1997 die erste homosexuelle Hauptfigur in einer amerikanischen Mainstreamserie wurde. Für ihren Mut, nicht nur ihre Figur, sondern auch sich selbst zu outen, wurde sie zwar von LGBTI*-Gruppen gefeiert und gewann sogar einen Emmy. Den erhielt sie jedoch nicht als Darstellerin, sondern für ihre Mitarbeit am Drehbuch der Coming-out-Episode. Und auch ansonsten war man in Hollywood damals anscheinend noch nicht bereit, offen gelebte Homosexualität vor oder hinter der Kamera zu akzeptieren. Die Serie Ellen wurde nur ein Jahr später abgesetzt, Ellen DeGeneres selbst hatte danach einige Zeit lang Schwierigkeiten, in Hollywood Arbeit zu finden.

Daran musste ich heute morgen denken, als ich las, wer vergangene Nacht mit einem Emmy ausgezeichnet wurde: Jede Menge Frauen, die Frauen lieben, sei es im realen Leben oder als Figur.

So gewann Kate McKinnon, die nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass sie lesbisch ist, den Preis als beste Nebendarstellerin in einer Comedyserie für ihre brillianten Auftritte in Saturday Night Live, u.a. als Ellen DeGeneres (s. Video unten). Sarah Paulson, die vor einigen Monaten ihre Beziehung zu Schauspielerin Holland Taylor öffentlich gemacht hat, erhielt den Preis als beste Hauptdarstellerin für den Fernsehfilm The People v O.J. Simpson: American Crime Story. Ebenfalls freuen durfte sich Clea DuVall. Die Schauspielerin, die insbesondere aus dem Kult-Klassiker But I’m a Cheerleader bekannt ist und deren Homosexualität in Hollywood lange ein offenes Geheimnis war, hat sich im Rahmen der Pressearbeit zu ihrem neuen Film The Intervention vor einigen Wochen ebenfalls geoutet. Sie wurde als Teil des Ensembles der Serie Veep ausgezeichnet, die den Preis als beste Comedyserie gewann und in der Clea DuVall eine lesbische Secret Service-Agentin spielt.

Womit wir bei den lesbischen, bisexuellen, queeren Frauenfiguren wären. Tatiana Maslany gewann den Preis als beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie u.a. für ihre Darstellung der lesbischen Wissenschaftlerin Cosima Niehaus in Orphan Black. Auch in Game of Thrones, die erneut als beste Dramaserie ausgezeichnet wurde, gibt es seit Kurzem eine lesbische Figur. Transparent ging in der Kategorie „Beste Comedyserie“ zwar leer aus, Produzentin Jill Soloway gewann jedoch einen Drehbuch-Emmy. In der Serie geht es um die transsexuelle Maura Pfefferman und ihre Familie. Beide Töchter von Maura haben im Verlauf der Serie Beziehungen mit Frauen, wie übrigens auch Jill Soloway selbst, die seit einiger Zeit mit der Autorin Eileen Myles zusammen ist.

Wenn mir jemand all dies vor knapp 20 Jahren erzählt hätte – wie viele frauenliebende Frauenfiguren es in US-Serien gibt; dass heterosexuelle Schauspielerinnen stolz darauf sind, mit ihrer Rolle zur Sichtbarkeit der LGBTI*-Community beizutragen (Tatiana Maslany); dass Schauspielerinnen in Hollywood trotz Coming-out noch eine Karriere haben und sogar Preise gewinnen können, wenn sie heterosexuelle Rollen spielen (Sarah Paulson in The People v OJ Simpson) – hätte ich es wohl kaum geglaubt. Und natürlich heißt das nicht, dass jetzt alles gut ist. Es gibt noch viel Grund und Anlass zu Kritik an der Darstellung und Sichtbarkeit lesbischer, bisexueller, queerer Frauenfiguren in US-Serien, gerade im Hinblick auf das „Dead Lesbian Syndrome“, das gerade 2016 überproportional häufig aufgetreten ist. Aber allein dass dies inzwischen in Mainstreammedien thematisiert und von den Serienschaffenden selbst problematisiert wird, ist ein Quantensprung im Vergleich zur Situation Ende der 1990er Jahre.

Gerade in der aktuellen politischen Situation, in der längst selbstverständlich geglaubte Rechte plötzlich wieder in Frage gestellt zu werden scheinen, finde ich es manchmal sehr hilfreich, mir vor Augen zu führen, wie viel in wie kurzer Zeit erreicht wurde. Diese Serien mit diesen Figuren und diesen Schauspielerinnen gibt es und wird es immer geben und dank des Internet werden sich viele Menschen in ihnen wiederfinden und mit ihnen identifizieren können – so wie ich vor knapp 20 Jahren mit Ellen.

Jetzt dürften sich nur die deutschen Serienschaffenden hieran gern noch ein Beispiel nehmen.

Kate McKinnon als Ellen DeGeneres mit der „echten“ Ellen DeGeneres