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Liebe in der Parallelwelt

Der Film “Ich will dich“ erzählt die Geschichte von Marie und Ayla, die sich ineinander verlieben, obwohl sie beide mit Männern zusammenleben. Hat ihre Liebe eine Chance?

„Ich bin nicht lesbisch“, sagt Marie irgendwann abwehrend zu Ayla, doch da ist es schon zu spät. Ausgerechnet während eines Pärchenwochenendes hat es zwischen der verheirateten Marie und Ayla, der Freundin von Maries altem Freund Dom, gefunkt. Auch wenn Marie zunächst gegen ihre Gefühle ankämpft, lässt sie sich bald auf eine Affäre ein, die auch weitergeht, nachdem Ayla von Dom schwanger wird und ihn heiratet. Erst als Maries halbwüchsiger Sohn Jonas das Verhältnis der beiden Frauen aufdeckt, müssen sie sich entscheiden: Hat ihre Liebe auch außerhalb der Parallelwelt, in die sie sich geflüchtet haben, eine Chance?

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Ayla (Erika Marozsán, links) und Marie (Ina Weisse) / (Bild: WDR/Conny Klein)

Dass sich in Filmen zwei Menschen ineinander verlieben, die eigentlich schon anderweitig vergeben sind, ist nichts Neues. Wenn Ich will dich auf der Webseite von ARTE als „ungewöhnliche Liebesgeschichte“ beschrieben wird, hat das daher wohl eher damit zu tun, dass es hier um zwei Frauen geht, die sich aufeinander einlassen – etwas, das in deutschen Filmen leider immer noch selten erzählt wird und deshab wohl als ungewöhnlich gelten muss.

Vielleicht soll sich die Beschreibung aber auch darauf beziehen, wie die Liebe zwischen Marie und Ayla erzählt und gezeigt wird, nämlich weniger romantisch als vielmehr leidenschaftlich und heftig. Immer wieder wird das fast schmerzhafte Begehren der beiden Frauen deutlich, die einfach nicht voneinander lassen können. Insbesondere was Marie angeht, erklärt der Film dabei wenig, sondern lässt ihr Verhalten für sich sprechen und öffnet damit Raum für Interpretationen. Ist es nur eine Reaktion auf beruflichen und familiären Stress – ihr Mann Bernd betrügt sie, ihre 14jährige Tochter Lilly will die Pille, Sohn Jonas wird mit Gras erwischt – oder ist es doch mehr? Und weiß Marie eigentlich selbst so genau, was sie da tut? Auch die Motive von Ayla sind nicht deutlich. Warum will sie unbedingt an der Beziehung mit Dom festhalten, wenn sie doch offensichtlich Marie liebt?

Der Film bietet hier keine einfachen Lösungen an, aber gerade das ist eine seiner Stärken. Liebe ist eben nicht schwarz und nicht weiß und schon gar nicht rosarot, sondern sie ist kompliziert und kann wehtun. Dabei sind einige Szenen gerade zum Ende hin eher schwer zu ertragen und wirken im Hinblick auf die Entwicklung der Figuren auch nicht unbedingt stringent. Dennoch lohnt es sich, dem Film eine Chance zu geben und – soviel sei verraten – bis zum Schluss durchzuhalten.

Wer jetzt neugierig geworden ist: Noch bis nächsten Freitag (20.2.15) ist der Film auf der Webseite von ARTE abrufbar.

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Anni, Jasmin, Heike & Co. – Frauenliebende Frauen in deutschen Serien im Oktober 2014

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Bilder: ZDF / WDR / SRF / RTL / ARD

Wie viele lesbische oder bisexuelle Frauenfiguren gibt es eigentlich in deutschen Serien?

Das haben sich vielleicht so manche von euch schon einmal gefragt. Im Oktober 2012 bin ich dieser Frage im Rahmen dieses Blogs erstmals nachgegangen. Anlass war damals eine Studie der amerikanischen Lobby-Organistion GLAAD, die für die Fernsehsaison 2012/2013 eine Rekordzahl an LGBT-Figuren in amerikanischen Serien ermittelt hatte. Das hat mich neugierig gemacht. Ich wollte wissen, wie es zu diesem Zeitpunkt bei deutschen Serienproduktionen aussah. (Das Ergebnis findet ihr hier.)

Das Interesse an der Übersicht war und ist noch immer groß. Deshalb war es nach zwei Jahren höchste Zeit, sie zu aktualisieren. Et voilà!

Wer neugierig ist und sofort sehen möchte, wie die aktualisierte Liste aussieht, kann hier klicken:

Die Liste

Ansonsten geht es weiter mit einigen Erläuterungen. Welche Veränderungen hat es gegeben, welche Abgänge, insbesondere aber auch welche Zugänge, wenn überhaupt?

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Erinnerungen an “Hand aufs Herz”, oder: Wie aus Oregano eine Doktorarbeit wurde

Erinnert ihr euch noch an diese Daily Soap, die vor vier Jahren mal auf einem deutschen Privatsender lief? Hand aufs Herz hieß sie, es ging um Schule, Musik und vor allem um die Liebe. Da war insbesondere dieses eine Pärchen, Emma und Jenny, die die Macht hatten, nicht nur Fanherzen auf der ganzen Welt zu verzaubern, sondern auch Server kleinerer und größerer Webseiten lahmzulegen. Für einige Monate im Jahr 2011 schien die ganze Welt im “Jemma”-Rausch.

Doch den Managern bei besagtem Privatsender – irgendwas mit Bällchen, soweit ich mich erinnere – genügte die allgemeine Begeisterung nicht, weil sie sich nicht in Euro und Cent auszahlte, und so beschlossen sie, die Serie nicht fortzusetzen. Womit sie aber nicht gerechnet hatten waren die verzauberten Fans, die das nicht einfach hinnehmen wollten.

Zwar konnten weder die vielen Mails, Briefe, Anrufe und sogar Flashmobs noch der intensive Duft nach Oregano, der bald durch die Zentrale des Bällchensenders im Süden Deutschlands wehte, die Herzen der Manager erweichen, und so endete die Serie im September 2011. Jedoch wäre sie wohl, wie schon so viele andere vor ihr, in Vergessenheit geraten, wenn da nicht eben diese Fans wären und zudem eine junge Wissenschaftlerin, die von deren Aktivitäten so beeindruckt war, dass sie entschied, über sie ihre Doktorarbeit zu schreiben. Sie recherchierte, beobachtete und befragte die Fans, u.a. nach Medienumgang, Sehgewohnheiten, sexueller Orientierung, Urheberrecht und ja, auch Oregano, wertete das alles aus und schrieb es auf. Ihre Ergebnisse hat sie jetzt veröffentlicht:

Medienbezogene Partizipationsaktivitäten von Daily Soap-Fans im Internet : eine Untersuchung am Beispiel der Daily Soap „Hand aufs Herz“

Und wer sich immer noch fragt, was das alles mit Oregano zu tun hat: Seite 202 bzw. Folge 181. ;-)

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Advent, Advent…

Advent2014Es ist wieder soweit: Die Adventszeit hat begonnen.

Gestern durften wir schon die erste Kerze auf dem Adventskranz anzünden, heute ist das erste Adventskalendertürchen dran.

Bei Rosalie & Co. wird es in diesem Jahr zwar leider keinen eigenen Adventskalender geben. Umso mehr freue ich mich aber, dass mein Beitrag über lesbische und bisexuelle Frauenfiguren in deutschen Serien die Damen von cootv inspiriert hat, ihren Adventskalender in diesem Jahr mit deutschen TV-Lesben zu befüllen. Und schon beim ersten Türchen bin ich ganz nostalgisch geworden. *hach*

cootv – Adventskalender 2014

Jemma- / Hand aufs Herz-Fans dürfen sich ebenfalls freuen, denn auch die Ladies von JemmaInternational sind in diesem Jahr wieder kreativ geworden:

JemmaInternational – Adventskalender 2014

Ich wünsche euch viel Spaß beim Türchenöffnen und eine schöne Adventszeit. Vielleicht trefft ihr ja eure Traumfrau unter dem Mistelzweig?

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The Fosters (Photo: ABC Family)

Kennt ihr weitere schöne Online-Adventskalender? Dann teilt die Links gern in den Kommentaren.

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Rosalie & Co. gibt es heute seit vier Jahren. Aus Anlass dieses Jubiläums habe ich zehn Fragen über diesen Blog und seine Inhalte beantwortet. Viel Spaß beim Lesen!

Was ihr schon immer über Rosalie & Co. wissen wolltet (und auch zu fragen wagtet)

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Girltrash, BFFs und lesbische Aliens – Filmtipps von den LSF Hamburg 2014

Für die schwullesbische Community in Hamburg hieß es in dieser Woche wieder: Ab ins Kino. Schon zum 25. Mal fanden von Dienstag bis Sonntag die LSF statt, die Lesbisch Schwulen Filmtage Hamburg.

Ich war vor 15 Jahren zum ersten Mal bei den LSF. Mein Debütfilm am 20. Oktober 1999 hätte für mich als Ellen DeGeneres-Fan nicht passender sein können: The Real Ellen Story, eine Dokumentation über Ellens Coming-out. Seitdem habe ich viele interessante und ganz tolle Filme bei den LSF gesehen. Einige nicht so tolle waren auch dabei, aber zum Glück nur wenige. Zu meine persönlichen Highlights gehören u.a. If These Walls Could Talk 2, Lady Pochoir, The Sleeping Beauty of East Finchley und Cloudburst.

In diesem Jahr war ich insgesamt fünfmal im Kino. Hier sind einige Clips und Trailer.

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“Brief an mein Leben”: Miriam Meckels Buch wird verfilmt

Was macht eine Autorin, wenn ihr Leben aus der Bahn geworfen wird? Sie schreibt darüber. Das hat auch Miriam Meckel getan, nachdem ihr Körper die Notbremse gezogen hat. Diagnose: Burnout. Ihr Brief an mein Leben, den sie noch in der Klinik begonnen hat zu schreiben, wurde 2010 als Buch veröffentlicht und wird jetzt vom ZDF verfilmt.

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Journalistin, Autorin, ehemalige Staatssekretärin, Professorin, Kommunikationsexpertin und seit Neuestem Chefredakteurin des Magazins WirtschaftsWoche – wer einen Artikel über Miriam Meckel schreibt, hat einiges an Jobbezeichnungen und Titeln zur Auswahl, die auf sie zutreffen. Vor einigen Jahren bekam die dauerbeschäftigte Vielfliegerin allerdings die Quittung für dieses Leben auf der Überholspur: Der Körper streikte, nichts ging mehr. Burnout.

Ihre Erfahrungen verarbeitete Miriam Meckel in einem Buch mit dem Titel Brief an mein Leben. Darin beschreibt sie die Zeit in der Klinik und analysiert die Umstände, die zu ihrem Zusammenbruch geführt haben, teilweise bis zurück in ihre Kindheit und Jugend.

Ihr Buch dient nun als Vorlage für einen Fernsehfilm, den das ZDF gerade drehen lässt. Die Hauptrolle hat Marie Bäumer übernommen, ihre Lebensgefährtin wird von Christina Hecke gespielt. In der Pressemitteilung des ZDF liest sich das so:

„Toni (Marie Bäumer) ist immer unterwegs, jung, erfolgreich, ungebunden. Ihr Leben richtet sie sich nach den beruflichen Herausforderungen ein, auch die Beziehung zu ihrer Lebensgefährtin Maria (Christina Hecke) muss sich dem unterordnen. Doch die Momente, in denen Toni sich selbst nicht mehr erkennt, häufen sich – bis ihr Lebenstempo sie komplett aus der Bahn schleudert und in eine Klinik für psychische Erkrankungen katapultiert. Sie hat die Erschöpfungsrufe ihres Körpers zu lange ignoriert. In den klaren Strukturen der Klinik kommen bei Toni die Erinnerungen hoch: Schmerzhaft hat sie als kleines Mädchen die liebevolle Zuwendung ihrer Mutter vermisst, die auch heute noch – todkrank – ihrer Tochter gegenüber keine Gefühle zulässt. Zwischen gewöhnungsbedürftigen Gruppentherapien, Schlafentzug und bröckelnder Distanz zu ihren Mitmenschen beginnt Toni, sich wieder selbst zu spüren.“

Ein Sendetermin für den Film steht noch nicht fest.

Wer die Zeit bis zur Ausstrahlung überbrücken möchte, dem empfehle ich das Buch. Das liest sich zu Anfang zwar etwas zäh, fast so, als sollten ähnlich wie die Autorin auch die Leserinnen und Leser zunächst einmal „entschleunigt“ werden. Wer sich jedoch auf das Erzähltempo und die Erzählstruktur mit Sprüngen und Rückblenden in verschiedene Lebensphasen einlässt, hat die Chance, für sich selbst vielleicht einige hilfreiche Erkenntnisse aus den Erfahrungen von Miriam Meckel mitzunehmen.

Update (8.10.): In der aktuellen Ausgabe des Zeit-Magazins findet sich passend zum Thema ein kurzes, sehr lesenswertes Interview mit Miriam Meckel: “Der Burn-out war ein Totalcrash”